Durch das zweite Türchen strömt ein ganz besonderer Duft

“ … „Bau mir ein Bett aus Duft“, flüsterte sie mit rauer Stimme. August berührte den Käfer und spürte, wir warm er von ihrer Haut war. Dann drehte er sich um, ging in die Vorratskammer, kam bepackt wieder und begann, den Zucker aus den Säcken wie feinen Sand auf den Boden zu schütten, Sack um Sack, Zentner um Zentner, groß und weich und weiß. Sie sah ihm zu, wie er dann, ohne zu zögern, zu den Schubladen ging und in großartiger Verschwendung mit beiden Händen ein schweres, weiches, schwarzes Kissen aus Bourbonvanille auf den Zucker warf, ein anderes braunes aus Muskat; wie er einen ungeheuer kostbaren orangefarbenen Schleier aus Safran über das Weiß des Zuckers breitete, einen Schleier, der nach bitterem Honig duftete, einen Schleier, der hundert Mal so viel kostete wie ein Kleid. Sie sah ihm stumm zu, wie er Bittermandelöl an die Seiten hintropfte, wo der Duft in Säulen aufstieg und dann stehen blieb, gefährlich und wunderbar. Sie beobachtete, wie er mit den raschelnden Schalen der Bitterorange einen Weg auf den Boden warf, mit leichter Hand, ein Weg, der unter ihren Füßen knisterte. Sie streifte die Schuhe ab. Im Dämmerlicht der Zuckerküche glänzte der Käfer schwach, als sie über den Teppich aus Bitterorange zu ihm kam. Ihr feiner blauer Geruch nach Rauch war fremd in dieser Kuppel aus Duft, und August atmete ihn sehnsüchtig ein, so, als ob sie fort wäre. …“

Aus Der Duft von Schokolade von Ewald Arenz

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