Verfasst von: Bri | 2. April 2014

Attackiert die Bösen … Wir brauchen alle Guten, die wir finden können.

Lachen verbindet und überwindet Grenzen – menschliche und kulturelle. Gemeinsames Lachen kann aus fremden Menschen so etwas wie eine Familie machen, das hat wohl jeder von uns schon einmal erlebt.

Und obwohl das so ist, gibt es Kräfte, die dagegen sind, dass Menschen gemeinsam lachen und glücklich sind – oder vielleicht gerade deshalb?                                              Funny girl

Azime ist 20 Jahre jung, im Norden Londons wohnende Kurdin und mit ihrem Leben – und dem einiger ihrer Freundinnen – nicht ganz glücklich.

Ihre beste Freundin ist bereits verheiratet – mit Anfang 20 in diesen kulturellen Kreisen grade zur rechten Zeit. Sie liebt ihren Mann, obwohl es eine arrangierte Ehe ist, doch der ist über die Maßen eifersüchtig.

Eine andere Freundin ist erst vor kurzem – im selben Alter wie Azime – zu Grabe getragen worden. Noch am Grab werden Mordvorwürfe laut und das gegen die Familie des Mädchens …

Über die Familie mit den alten Traditionen verwurzelt, fällt es schwer, in einer anderen Kultur zu leben. Das erleben wir Tag für Tag bei Freunden und Mitbürgern. Es zieht Menschen nicht ohne Grund aus ihrer Heimat fort – seien es politische oder andere Beweggründe. Häufig ist es die Enge der eigenen Kultur, der Wunsch ein freieres, besseres Leben zumindest für die nächste Generation zu erreichen. Erstaunlicherweise setzen sich aber gerade dann in der neuen, vermeintlich freieren Heimat die alten Traditionen stärker durch als gedacht. Vielleicht ist es so etwas wie Trost, den man sucht, wenn man sich nicht wirklich willkommen fühlt. Trost und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, die man nur mit Menschen empfinden kann, die einen ähnlichen Hintergrund, ähnliche Träume und Vorstellungen haben.

Durch was kann man es schaffen, diese beginnende Abspaltung, dieses Abgrenzen aufzubrechen? Durch Verständnis? Doch wie kommt man in Kontakt mit dem, das ein ganzanderes Leben bedeutet? Durch Bücher, durch Filme und durch Witze, die die eigene Lebenswelt karikieren, Unverständliches etwas erträglicher machen.

Azime verspürt ganz deutlich den Wunsch, ihre eigenen Gedanken, die westlich geprägt und damit für sie nicht immer einfach durchzusetzen sind, anderen mitzuteilen. Von ihrem besten Freund eingeladen, gerät sie in einen Comedy-Kurs und entdeckt dort ihre wahre Leidenschaft. Menschen nicht nur ihre Kultur näher zubringen, sondern gemeinsam die gegenseitigen Berührungsängste einfach weg zu lachen.

Doch wie weit kann sie gehen, ohne den Zorn ihrer religiösen Gemeinschaft auf sich zu ziehen und ihre Familie zu verletzen? Ist es nicht schon genug, die erste junge muslime Stand-Up-Comedian zu sein? Muss es tatsächlich noch die Burka sein, die sie privat nie trägt?.

Azime lässt sich von ihrer Intuition leiten und hat Erfolg. Am besten klappt das, wenn sie authentisch ist, aus ihrem eigenen Leben erzählt – denn die Menschen merken, dass sie sich nicht wirklich so sehr von ihr unterscheiden, gar nicht so fremd sind wie gedacht.

Anthony McCarten packt in seinem Roman Funny girl“ ein heißes Eisen an, das schon so manchen in Bedrängnis geraten ließ. Darf man Witze über kulturelle Werte oder Religionsgemeinschaften machen, auch wenn man sich selbst zugehörig fühlt?

„ … Missbraucht nicht euer Recht auf Redefreiheit, dazu ist es zu hart erkämpft. Wählt eure Zielscheibe sorgfältig aus. Attackiert die Bösen. … Wir brauchen alle Guten, die wir finden können. Aber habt keine Angst davor, die Wahrheit zu sagen, ganz gleich, wohin sie euch führt. …“ (S. 77)

Auf einer Bühne auszusprechen, wovor viele Menschen Angst haben und diese Ängste durch ein gemeinsames Lachen einfach verpuffen zu lassen ist etwas sehr Positives, besitzt sogar eine überbrückende, heilende Kraft.Missstände auf menschlicher Ebene öffentlich anzuprangern, indem man sie überspitzt darstellt braucht mutige Menschen und eine Portion Wut.

McCartens Azime ist ein mutiger und etwas wütender Mensch. Sie lässt sich nicht einschüchtern – aus welcher Richtung die Versuche, sie zum schweigen zu bringen auch kommen – und dafür wird sie belohnt. Sie hat die Lacher auf ihrer Seite.

Funny girl merkt man deutlich an, dass Anthony McCarten einen Wunsch hat, man könnte es auch eine Mission nennen: Menschen ein kleines Stück näher zueinander zu bringen, Ängste und Vorurteile auszuräumen, Verständnis zu schaffen. In einer Welt, die für den Einzelnen immer unübersichtlicher und gleichzeitig enger wird, immer mehr Informationen bereithält, die verarbeitet werden müssen wird dieses Verständnis immer wichtiger. Umso schöner, wenn es sich durch Spaß und Witz auf so angenehme Weise erreichen lässt.

Das Ticket für die Comedy-Show bekommt ihr wie immer beim Buchhändler eures Vertrauens – wer vorher ins Programm sehen will kann das auf der Verlagsseite tun.

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Responses

  1. Wird gelesen!

    • Sehr schön!

  2. […] McCartens “Funny Girl” möchte, laut brisliteratouren, “Menschen ein kleines Stück näher zueinander bringen, Ängste und Vorurteile […]


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