Verfasst von: Bri | 25. November 2013

Unterwegs mit den Kings of Nowhere

Alte Gewohnheiten abzulegen ist zuweilen schwer – vor allem wenn es sich um Gewohnheiten der Art handelt, die selbstzerstörerisch sind oder anderen Menschen großen Schaden zufügen. Extreme Stiuationen erfordern extreme Handlungen und Selbsterkenntnis erlangt man am besten, ausserhalb des Alltags, abseits der Hauptwege.

Der Mensch ist von Natur aus ein „Lauftier“ und so verwundert es nicht, dass immer mehr Menschen dies tun: laufen, wandern, pilgern, um zu sich zu finden, Probleme abzuschütteln oder sich zu erneuern. Die eigenen Grenzen werden ausgetestet, weiter gesteckt und plötzlich erkennt man, dass viel mehr – oder auch weniger – in einem steckt, als man selbst erwartet.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     Forrester

So machen sich auch Taz, der gerade ein Jahr Knast hinter sich hat, Simone, die junge Wissenschaftlerin mit dem absoluten Glauben an die Determiniertheit durch die Gene und Richard, ein vermeintlicher Halbindianer, völlig unabhängig voneinander auf einen der längsten Trails Amerikas. Alle drei haben ein schwerwiegendes Problem, das sie durch einen Thru-Hike des Appalachian Trails zu lösen hoffen.

Der Appalachian Trail führt über eine Länge von 3500 km durch 14 Staaten der U.S.A und es gibt nur ein paar wenige Menschen, die einen Thru – Hike, eine Komplett-Begehung, tatsächlich auch geschafft haben. Einer dieser wenigen ist T.J. Forrester, der Autor der Kings of Nowhere.  Ihm mit Taz, Simone und Richard auf dem Trail zu folgen versprach eine authentische und spannende Lektüre.

Doch was Forrester den Tour-Teilnehmern bietet, ist weit mehr: er nimmt sie direkt mit auf die Reise, macht sie zu Hikern im Geiste und knüpft und löst Verbindungen wie im wahren Leben. Und das Ganze ohne lang ausgdehnte Beschreibungen. In einer direkten, schnörkellosen und doch schönen Sprache.  Kapitel für Kapitel erschließt sich der Trail vor dem geistigen Auge. Es werden neue Bekanntschaften geschlossen, für einen Teil des Weges. Vielleicht trifft man sich wieder, später auf der Strecke, irgendwo auf einem Gipfel oder man erkennt den Trailnamen in einem Eintrag im Hüttenbuch. Meist ist man alleine unterwegs und verfolgt sein eigenes Ziel. Ab und zu verlässt man den Hauptweg, macht Rast an einem der für die Hiker gerade zu magisch anziehenden Punkte, um dann wieder weiterzuziehen.

Unter der kenntnisreichen Führung eines der wenigen realen Thru-Hiker weiß und sieht man mehr. Dennoch bleiben blinde Flecken und Leerstellen, die geschickt eingesetzt, das Gefühl verstärken, Zusammenhänge zu erkennen, die Taz, Simone oder Richard verborgen bleiben.

Doch jeder noch so intensive Trip hat leider ein Ende. Auch wenn Einiges offen zu bleiben scheint, so hat er doch den Horizont geweitet. Nicht zuletzt durch die Technik der blitzlichtartigen Einschübe oder die Abzweigungen auf überraschend sich öffnende Nebenwege. Das Lesetempo treibt das nur an und leider sind die 240 Seiten des geschmackvoll gestalteten Buches zu schnell weggelesen. Aber man kann sich ja auch mehrmals auf eine Reise begeben.

Die große Frage, ob der Mensch sich wirklich ändern kann oder ob er zu sehr von seiner genetischen Disposition bestimmt wird, erfährt verschiedene Auslegungen. Doch eine Antwort ist absolut eindeutig: Der Tod ist keine Antwort.

Wer sich nun selbst auf die Reise begeben möchte – und das sei jedem Liebhaber guter Lektüre wärmstens empfohlen – der hole sich weitere Informationen beim Verlag und das dazu nötige Handbuch Kings of Nowhere wie immer beim Buchhändler des Vertrauens.

Wir sehen uns auf dem Weg – da bin ich mir sicher!

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Responses

  1. Whow!! Tolle Rezi!
    Dein Blogheader passt gut zum Buch. Allerdings hätte ich mir im Roman genau solche (literarischen) Bilder gewünscht.

    Liebe Grüße Nanni (Pepperann) aus der Lovelybooks Leserunde

    • Danke – Deine ist das aber auch, ich meine toll. LG zurück!!


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