Verfasst von: Bri | 18. November 2013

Who says you can’t go home?

Soundtracks gibt es viele, auch für mich – den Soundtrack meiner Jugend, der mir zum Teil heute etwas peinlich ist, mich zum anderen Teil aber um ca. 20 Jahre jünger macht. Dann gibt es den Soundtrack für glückliche beschwingte Zeiten, der mich das Glück, das ich innerlich empfinde doppelt so stark fühlen lässt. Der Soundtrack der zu den schwierigen Situationen in meinen Leben passt, besteht aus Songs, die ich höre, weil sie entweder genau das ausdrücken, was ich fühle oder mich von diesem Gefühl wegbringen, mich Lösungen für die schwierigen Situationen finden lassen. Und dabei kommt es neben der Musik selbst, ganz stark auf die Texte an. Texte, die Assoziationen erwecken zu Situationen in meinem Leben. Ich muss mich wiederfinden können in einem Lied. Genauso wie in einem Buch.                                                                                                                                                           shotgun

Ich glaube, jeder kennt das – und wenn man das Glück hat, sich seine Gefühle auch noch durch das Schreiben von Texten oder komponieren von Liedern entweder von der Seele schreiben oder bewusster machen zu können, dann ist man meiner Meinung nach in einer besonders glücklichen Lage.

Es gibt wenige Bücher, bei denen ich eine komplette Playlist, einen Soundtrack mitgeliefert bekomme. Shotgun Lovesongs ist nicht nur aus diesem Grund ein rares Stück. Die Songs, die man sich über einen Link auf der Buchseite des Verlages anhören kann, passen wunderbar zu dem Eindruck, den die Lektüre hinterlässt: Weite, Atmosphäre, teilweise hartes Leben.

Was die Personen des Buches angeht, habe ich einen ganz eigenen Soundtrack, der aus nur einem einzigen Lied besteht: „Who says you can’t go home“ von Bon Jovi. Zu jedem der einzelnen Protagonisten scheint es für mich eine eigene Strophe in diesem Lied zu geben. Der Titel selbst ist ein Teil der Quintessenz der Geschichte um fünf Menschen, die zusammen in Little Wing, Wisconsin aufwuchsen und seither befreundet sind.

Im Zentrum der fünf steht einer, Leland, der Musiker. Vor Jahren nahm er ganz alleine in einer Hütte in Wisconsin sein Erfolgsalbum Shotgun Lovesongs auf. Wer sich in der Welt der amerikanischen Folkszene auskennt, erkennt hier die Parallele zum Bon Iver Sänger Justin Vernon.

Fünf Menschen, die über lange Zeit, durch alle Phasen ihres Lebens miteinander verbunden und befreundet sind. Man trifft sich auf Hochzeiten und nimmt teil am Leben der anderen. Hat keine Geheimnisse voreinander oder glaubt zumindest, dass es so ist. Eine untrennbare Verbindung fürs Leben, die nichts erschüttern kann? Weit gefehlt …

Nickolas Butler erzählt in Shotgun Lovesongs sehr einfühlsam und warmherzig von allem, was das Leben wirklich ausmacht. Leidenschaft und Liebe, Freundschaft und Verantwortungsgefühl, Wahrheit und Hass – und manchmal auch Zwang. Denn manche Dinge passieren nur dann, wenn man – so würden die Amerikaner sagen – das Gewehr im Rücken spürt. Bei uns heißt das wohl eher: mit dem Rücken zur Wand steht, nicht mehr anders kann oder zu können glaubt.

Souverän spielt er mit den Perspektiven der einzelnen Protagonisten und zeichnet so ein lebendiges Bild des Lebens in einem der härtesten Landstriche Amerikas. Nicht immer handeln seine Protagonisten logisch, doch das macht sie nur umso authentischer, umso identifikationsreicher.

Kapitel für Kapitel lassen uns die einzelnen Hauptprotagonisten am Leben in Little Wing und anderswo teilhaben. So wurden sie für mich fast zu Freunden, die ich nicht verlassen wollte. Vielleicht kam mir der Schluss auch deshalb etwas überhastet und konstruiert vor. Dem gesamten Lesevergnügen tat das allerdings keinen Abbruch.

Denn ich weiß, ich kann ja jederzeit wieder zurückreisen, nach Little Wing, Wisconsin und sei es nur in Gedanken.

„ … It doesn’t matter where you are, it doesn’t matter where you go
If it’s a million miles away or just a mile up the road
Take it in, take it with you when you go … “*

*Who says you can’t go home (Bon Jovi, 2005)

Ihr allerdings solltet euch sofort zum Buchhändler eures Vertrauens begeben und dieses Buch dann mit nach Hause nehmen. Weihnachten steht bald vor der Tür – und dieses Buch ist ein für gute Freunde wie gemacht. Wie immer verlasse ich mich auf euch!

Weitere Informationen zu Buch und Autor, den Link zur offiziellen absolut leseunterstützenden Playlist und vieles mehr findet ihr wie immer auf der Verlagsseite.

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Responses

  1. Liebe Brigitte, Dein Befehl ist mir Wunsch – beim Lesen der Rezension hatte ich den unmittelbaren Zwang, das Buch SOFORT zu besorgen – für mich selbst. Mal sehen, ob Freunde das dann auch noch bekommen. Danke für die tolle, lebendige Besprechung 🙂

    • Strike! So soll es sein 😉 Im Ernst, das Buch ist toll … finde ich. Danke für das Lob, das erfreut immer sehr.


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