Verfasst von: Bri | 8. September 2013

Doris Lessing und Scifi? Ja, das gibts – auch hier dank Rallus‘ Sci-Fi-Rezension

Doris Lessing hat 2007 den Literaturnobelpreis gewonnen. Hier liegt der erste Band einer Science Fiction Reihe, die sie 1979 geschrieben hat, vor.
In dieser Reihe erzählt sie über eine uralte, weise und fortgeschrittene Rasse von dem Planeten Canopus. Im ersten Band wird über Shikasta – unseren Planeten Erde – in jahrhundertlangen Notizen, Aufzeichnungen, Erzählungen, Tagebucheintragungen, berichtet.
Für mich ist dieses Buch wie die Bibel aufgebaut. Der erste Teil widmet sich der Geschichte der Menschheit wie sie früher war, als der stärkende Fluss von Canopus (der hier als SUWG beschrieben wird) noch reichlich war, der Mensch doppelt so groß und 50 mal so alt wurde. Als Menschen noch Städte bauten, in denen sie leben wollten und sich wohl fühlten, als das Zusammenleben, auch mit den Tieren, noch in Harmonie funktionierte.                                                                                                                              40065_1_lessing_rgb1
Doch dann wurde der Einfluss von Schammat größer und Sirius und Canopus mussten um die Menschheit kämpfen.
Doris Lessing entwirft eine allegorische Wucht, die hier mit fremden Rassen die Vertreibung aus dem Paradies und den Kampf zwischen Himmel und Hölle nachbildet.
Mit einer ungeheuren Dichte und literarischen Kunst wird aus Sicht eines Beobachters der Fortlauf der Menschheit geschildert, der ohne SUWG und dem stärkeren Einfluß von Schammat immer mehr degeneriert und alles Schöne, Wahre und Gute zerstört.
Herzstück des Buches ist die Tagebuchaufzeichnung von Rachel, die beschreibt, was in den letzten Tagen der Menschheit geschieht. Hier zieh ich wieder den Vergleich mit der Bibel, ihr Bruder George wird überall als eine Art Friedensschlichter gesehen, der die Massen zusammenbringt und die Dinge wieder in die richtige Richtung bringt. Dies ist das Neue Testament.
Der letzte, abschließende Teil ist eine Klage gegen die weiße Rasse, Ihre Verbrechen, ihre Sorglosigkeit mit Ressourcen, Nahrung, ihre Verachtung gegenüber Andersdenkenden, Andersgläubigen, überhaupt anders aussehenden Menschen.
Ihr Verbrechen, diese Dinge an ihre Kinder weiterzugeben!
In Griechenland treffen sich die Jugendvertreter um ein Gericht durchzuführen wo Personen stellvertretend die Klage bearbeiten, die Weiße Rasse ist auf der Anklagebank und muss sich die Verfehlungen, Barbareien der vergangenen Jahrhunderte, begangen an Indianern, Afrikanern, Indern, Asiaten, etc. anlasten lassen.
Es ist eine traurige und trostlose Aufzählung, hier werden einem als weißem Vertreter diese Schandtaten in dieser gebündelten, kumulativen, ungeschönten Art erst so richtig bewusst.
Doris Lessing nimmt dieses Forum als literarische Hilfe um einen Rundschlag durch die Geschichte zu begehen, mit einer ungebrochenen Wucht seziert sie die Verbrechen.
Daneben wird der jetzige Zustand der Erde gezeigt, das Essen und Wasser sind knapp, das Meer vergiftet, auch die Zivilisation beginnt nach und nach zu bröckeln.
Das Ende ist überraschend und tröstend, es wird nicht wie in der Bibel der Untergang geschildert, nein es gibt Hoffnung für die Menschen.

Shikasta entwickelt eine großartige literarische als auch emotionale Wirkung und ist eines der großartigsten Bücher, die ich je gelesen habe. Der Stil ist nicht sehr einfach, doch hier wird man doppelt und dreifach belohnt, viele Strecken lassen einen mit offenem Mund zurück und ich habe selten ein Buch erlebt, was mir so viel gegeben hat.

An dieser Stelle sei für weitere Informationen darauf verwiesen, dass das Buch innerhalb der Werksausgabe zu Doris Lessing beim Hoffmann & Campe Verlag zu beziehen ist – herzlichen Dank an Rallus für die Entdeckung, dass auch NobelpreisträgerInnen sehr wohl Sci-Fi verfassen können …

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