Verfasst von: Bri | 4. August 2013

Rallus goes Ökotopia – eine wunderbare Utopie, die keine bleiben muss

Das große Manko des Kapitalismus ist, dass mit Geld und Fortschritt alles versucht wird zu erschlagen.
Alle Kurven gehen immer nur nach oben und alles passiert zum „Wohle“ der Gesellschaft.
Dass sich dabei eine kleine Elite auf Kosten der Mehrheit bedient und an ihrer Macht festhält, mit all ihren Seilschaften und Betrügereien, wird billigend in Kauf genommen.
Auch in Kauf genommen wird der Raubbau unserer natürlichen Ressourcen.
Es gibt doch nichts Besseres, wird gerufen.                                                                                                                                                                                                                                        Ökotopia
Alle die das System kritisieren, sind Träumer und Spinner – und wollt ihr wirklich auf Euren Wohlstand verzichten?
Doch haben wir wirklich einen Wohlstand für den es sich lohnt zu kämpfen?
“Im Grunde waren die Menschen reif für die Veränderung. Die schlechte Luft, die chemisch verseuchte Nahrung und die schwachsinnige Werbung waren unerträglich für sie geworden.“
Was heute in vielen arabischen Ländern und auch teilweise in den “Wohlstandsländern“ Wirklichkeit wird: Die Menschen gehen auf die Strasse.
Selbst wenn sie wie in Syrien dafür ihr Leben lassen müssen. Aber so weiterleben möchten sie nicht.

Ernest Callenbach räumt schon in seinem 1978 erschienen Buch “Ökotopia” von der Unsitte des Denkens auf, dass Alternativgesellschaften denen die Umwelt und die Gleichheit des Menschen am Herzen liegen, rote Spinner, Kommunisten und Revoluzzer sind.

In seiner Utopie haben sich die Teile der Westküste der USA von den Staaten abgetrennt und einen eigenen Staat gegründet: Ökotopia.
Dieser Staat ist fast hermetisch von den anderen abgeschottet, nach 20 Jahren reist ein Journalist in den neuen Staat.
Dies ist sein Bericht und sein Reisetagebuch.

Darin gibt es 2 verschiedenen Arten von Einträgen, eine die eher als eine offizielle zu bezeichnen ist, die andere die die Gefühle und persönliche Gedanken beschreibt.
William Weston, der amerikanische Journalist, beleuchtet die verschiedenen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Unterschiede der Ökotopianer zu dem „alten“ Amerika
Es ist nicht nur verblüffend wie anders doch die Wirtschaft organisiert ist, auch Politik funktioniert hier nach dem „urdemokratischen“ Prinzip – es wird alles bis ins Kleinste diskutiert.
Es herrscht eine 20 Stunden Woche, die Menschen arbeiten gerne, weil sie in den Arbeitsprozeß mit eingebunden sind – ihnen gehört die Firma gemeinsam, jeder hat Verantwortung und will sie auch gerne tragen.
Dazu gibt es ein Grundgehalt was jedem unterschiedslos gewährt wird. Jede Administration fällt weg, das Geld reicht zum Leben, will man mehr, arbeitet man.
Eine sinnvolle und einfache Lösung, wie sie auch heute von namhaften Soziologen und Ökonomen propagiert wird.
Was William am meisten erstaunt ist die Zufriedenheit der Menschen.
Jeder redet mit jedem, die Menschen sind offener und die Familienstruktur ist eine Art großer Familie gewichen, wo niemand alleine ist.
Die Gleichheit von Mann und Frau wird nicht nur niedergeschrieben sondern auch gelebt!
Werbung ist verboten, die geworbenen Produkte werden wahrheitsgemäß beschrieben.
Zusätzlich gibt es ein gesellschaftliches Umdenken in Nutzen von Ressourcen – man lebt mit der Natur, nicht auf ihre Kosten!
Die Aggressionen werden durch sogenannte Spiele abgeleitet, der Mensch ist zwar ein zivilisertes Tier, aber eben doch ein Tier dessen Instinkte und Emotionen ein Ablassventil braucht.
Dadurch werden die heutzutage vermehrt auftretenden „Zivilisationskrankheiten“ wie Burnout oder Einsamkeit, im Keim erstickt.
Die komplett dezentrale Verwaltung widerspricht aber dem Ansinnen Amerikas sich als große Einheit zu präsentieren, aber die Vorteile von Ökotopia sind nicht von der Hand zu weisen.
William Weston erfährt schließlich am eigenen Leib, was es heißt, ein „Ökotopianer“ zu sein.

Eine wunderbare sehr realistische Utopie, bei der man sich öfters wünscht, dass sie Wirklichkeit werden würde, damit man den nächsten Zug dorthin besteigen kann.
Dabei bleibt Ernest Callenbach auf dem Boden der Tatsache und seine Utopie verschont uns mit esoterischen und religiösen Auswüchsen.
Ökotopia kann Realität werden, bei mir, bei Dir bei uns allen.

Eine unverzichtbare Lektüre für Alle!

Infos zum Buch gibt es leider nicht mehr beim Verlag – aber vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit der Neuauflage … wenn ein paar mehr Nachfragen dort eingehen. Ein wirklich wichtiges Buch, das genau in unsere Zeit passt …

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Responses

  1. Damit ist wieder ein Buch auf meiner Wunschliste gelandet und ich hoffe tatsächlich mal, daß ein Buch ein gutes Ende nimmt. 🙂

    • Dieses Buch ist ein Buch für unsere Zeit, obwohl schon 1978 erschienen – leider aber nur noch gebraucht oder auf englisch erhältlich – es wird Zeit, dass sich etwas ändern. Lasst uns die Veränderung in der Welt sein, die wir uns wünschen (frei nach Gandhi).


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