Verfasst von: Bri | 26. März 2013

Don’t judge a book by its cover

Man schreibt das Jahr 1683, Sir Robert Merivel, einst Unterhalter, Hofnarr und Leibarzt (der Hunde) des englischen Königs Charles II, lebt in seinem geliebten und prunkvoll eingerichteten Haus auf Bidnold Manor. Er ist gealtert – genau wie seine Dienerschaft. Einzig seine 17 jährige Tochter scheint ihn vor der Trübsal des Alters zu bewahren. Als diese aber immer häufiger und länger bei einer befreundeten Familie mit vier Töchtern weilt, wird dem einstigen Lebemann klar, dass er etwas tun muss, um dem Trübsinn nicht ganz anheim zu fallen. Selbst seine Dienerschaft wird mit jedem Tag gebrechlicher und Sir Merivel quälen die Fragen um deren Zukunft. War er einst ein Mann von Welt – Zeit der Sinnlichkeit heißt der vor Jahren bereits erschienene erste Band um Robert Merivels Leben am Hofe Charles II von England – so empfindet er sein Leben nun eher als Qual. Einzig die Liebe zu seiner Tochter erfreut sein Herz.

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Er sucht Rat bei seinem guten Freund und König – Charles II, der ihm eine Reise nach Frankreich empfiehlt. Merivel erhofft sich durch ein Empfehlungsschreiben Charles`II eine Anstellung als Arzt am Hof Ludwigs XIV. Die Anstellung bleibt aus, dennoch belebt ihn die Reise ungemein, lernt er doch die reizende Louise de Flamanville kennen und lieben …

Rose Tremains im Barock angesiedelter historischer Roman um den nicht immer ganz sympathischen englischen Arzt ist kein klassischer Pageturner. Gemächlich wie das Leben des 57 Jährigen zieht sich auch die Handlung dahin – vollkommen miteinander im Einklang. Die einzelnen Stationen der Hauptfigur auf dem Weg bis zum Ende sind durchzogen von alltäglichem Freud und Leid.

Tremain beschreibt den barocken Prunk, die Lebenssucht, die Oberflächlichkeit, den Überfluss am französischen Hof des Sonnenkönigs und die dazu im vollkommenen Gegensatz stehende Lebenswelt der einfachen Leute, die sich nur ein wenig von dessen Glanz erhaschen wollen sprachlich Stil sicher und authentisch. Sie blickt hinter die Kulissen, legt die wahre Tristesse hinter der glänzenden Tapete frei … ganz wie es der wunderschön gestaltete Schutzumschlag des Romans auch tut. Entfernt man diesen, tritt ein goldglänzendes Buch zu Tage. Dazu bietet die Geschichte und deren Umsetzung aber leider keine Analogie. Man sucht während der Lektüre immer wieder nach diesen goldenen Stellen, nur leider sind diese nicht zu finden. Zumindest war ich bei der Suche nicht erfolgreich.

Adieu Sir Merivel hätte ich beinahe ein wenig früher gesagt, als von der Autorin beabsichtigt. Habe ich doch bisher mit historischen Romanen immer mehr Spannung verbunden. Die Oberflächlichkeit der Höflinge übertrug sich für mich auf die ganze Geschichte. Schade, aber leider nicht zu ändern.

Dennoch sei das Buch jedem Leser empfohlen, der gut zu lesende, unspektakuläre, historische Lebensgeschichten mit einem Anflug von Extravaganz goutiert.

Informationen zum Buch findet ihr wie immer auf der Verlagsseite.

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