Verfasst von: Bri | 3. März 2013

1. Gastrezension von Rallus im März 2013

Chaotisches Zukunfts-Panoptikum
Snow Crash ist ein klassischer Vertreter des Cyberpunk.
Cyberpunk ist eine dystopische Richtung der SF-Literatur welche in den 80er Jahren entstand. Snow Crash ist eine logische Fortsetzung von Gibsons Neuromancer, hat aber im   Snow Crash von Neal StephensonGegensatz zu ihm eine romanartige Handlung.
Hiro Protagonist ist ein schwarzer Mischling der Anfangs noch Pizzafahrer bei der Mafia ist – und mit seinem Leben für eine pünktliche Lieferung haftet.
Die Anfangssequenz, auch im Klappentext angesprochen, ist nur eine Einleitung in die Geschichte und dient dem Vorstellen von Hiro und Y.T. (ausgesprochen Whitey) einer weißen coolen 15-jährigen Skatebordfahrerin.
Überhaupt sind alle cool und abgefahren in diesem Roman. Hiro schleppt zwei Schwerter mit sich rum, die er auch einzusetzen weiß, Raven der Bösewicht bedient sich Glas-Harpunen und Wasserstoffbomben. Nach dem Treffen mit Y.T. trifft Hiro im Metaversum (eine frühere Version des abgefahrenen digitalen Labyrinth von Otherland) jemandem der ihm eine Droge namens Snow Crash anbieten möchte. Sein Hackerkumpel Da5id greift zu – und erlebt einen biologischen Systemabsturz. Er wird zum Pflegefall in der wirklichen Welt.
Stephenson wird zugeschrieben zum ersten Mal den Begriff des Avatars erfunden zu haben, 1992,  als der Roman entstand.
Sein Metaversum ist, anders als Otherland, eine Art von Comicwelt, in der ohne Probleme Gliedmaßen abgehackt werden können, Avatare auf die Größe „Null“ schrumpfen können und dadurch unsichtbar werden und mit Motorrädern eine Geschwindigkeit von 50.000 Meilen pro Stunde erreicht werden.
Die Handlung ist schwer zu beschreiben und zu verfolgen.
Hiro sticht und schlägt sich mit seinen 2 Schwertern durch die wirkliche und digitale Welt, nebenbei erfahren wir den Grund von Snow Crash, begeben uns in die sumerische Vergangenheit, erfahren mehr von dieser verrückten abgedrehten Zukunft.
Stephenson ist wirklich gut, wenn er uns ironisch Brocken à la 1984 hinwirft, seine Beschreibung des FBI in dem die Mutter von Y.T. arbeitet, ist sarkastisch ätzend.
Daneben gibt es aber schriftstellerische Abschnitte, die einen aufstöhnen lassen. Die geschichtliche Sequenz der Sprachherkunft ist einfach nur wissenschaftlich trocken überladen, und auch eine unpassende fast schon pornographische Sequenz hat er zu bieten, wobei die Akteure frei von Liebe oder Sex handeln. Jeder ist auf sich angewiesen, Hilfe gibt es nur damit gewisse gesellschaftliche Prozesse überhaupt funktionieren, bzw. damit man selber auch mal Hilfe banspruchen kann.
Daneben hat er aber auch hinknieende Sätze wie: „Fakten aus dem Dampf von Nuancen zu kondensieren.“ auf Lager, auch seine Beschreibungen strotzen vor Metaphern: „Leprakranke grillen Hunde an Stöcken über brennendem Benzin. Obdachlose schieben Einkaufswagen vor sich her, in denen sich haushoch Millionen- und Milliardendollarscheine türmen, die sie aus Abwässerkanälen zusammengekratzt haben. Kadaver am Straßenrand – enorme Kadaver, so große Kadaver, dass es sich nur um Menschen handeln kann, kleben einen ganzen Block lang zermatscht am Bordstein.“
Wie man sieht, ein zusammengeworfener Haufen von Stilen, Episoden, Charakteren; sieht aber so unsere Gegenwart nicht inzwischen aus?
Es gibt auch verdammt viele IT-Begriffe, neu-Wort Schöpfungen und auch viel Geballer – es ist teilweise richtig cool, auch nach 20 Jahren die der Roman schon auf seinem Buckel hat.
Zwar ist das Ende etwas abrupt, aber wie soll er denn aufhören? Eben!
Dazwischen ist auf jeder Seite so viel Information gehäuft, dass man sich nach 100 Seiten fühlt, eine Regalwand gelesen zu haben.
Unverzichtbar für SF Fans und die die wissen wollen, woher denn nun die schicken blauen Avatare oder die Matrix kommt und die tollen Ideen von Williams, Mieville oder Simmons.

Informationen zu deisem Buch wie immer auf der Verlagsseite

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Responses

  1. Liegt schon bereit, muss aber noch ein wenig warten 😉


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