Verfasst von: Bri | 2. Dezember 2012

Ein Klassiker der Sci-Fi unter Rallus‘ Lupe

Neuromancer von William Gibson hat 1985 alle hochdotierten Preise in der SF abgeräumt.
Den Publikums Hugo Gernsback Award, den Kritiker Nebula Award, den Philip K. Dick Award und den Locus Award.
Was macht einen Roman so besonders, dass er als Grundlage des Cyperpunks und des New Romantic Stils der SF gilt.                                                                                                                                                                                                       Die Neuromancer-Trilogie von William Gibson

Ein Selbstversuch.
Den Inhalt des Buches zu beschreiben ja nur ansatzweise wiederzugeben scheitert – vollkommen.
Case ist ein Punk, ein Cyperpunk, oder ein Konsolen-Cowboy. Weil er seinen vorherigen Arbeitgeber betrogen hat, wurde sein Nervensystem beschädigt, so dass er sich nicht mehr in den Cyperspace einloggen kann.
Sein neuer Auftraggeber verspricht ihm eine Reperatur und viel Geld, zusammen mit Molly, einer aufgerüsteten Frau, macht er sich an das Ziel, zwei künstliche Intelligenzen zusammenzuführen.
Was in zwei, drei Sätzen noch einigermassen verständlich beschrieben ist, wird im Buch vollkommen unverständlich dargestellt.
Gibson bedient sich schräger, ausgeflippter Charaktere, ein ROM Wesen welches nach der Diskussion wieder alles vergisst, einem sprechenden Kopf dem man ein Passwort sagen muss, verschiedener Gehilfen der Intelligenzen – alles in ein Wirrwarr von Worten, Fetzen, technischen Ausdrücken und nicht nachvollziehbaren Handlungen gelegt.
Es ist so als würde man in einem Chatchannel landen, von Personen die sich in einer fremden Sprache über ein unbekanntes Thema unterhalten würden.
Nicht dass ich in Informatik oder den Begriffen unbewandert wäre, alleine die Zusammensetzung ist meist kryptisch.
Die Elemente sind zu erkennen, die Matrix, die künstlichen Welten, das Einstöpseln – für 1983 ein unerhörter, ja neuer Vorgang.
Ich erkenne die geistige Grundlage vieler heutiger SF Romane, Otherland, China Mievilles New Weird Stil, die Filme Matrix, inception.
Doch Gibsons Stil macht den Roman fast unleserlich.
Was machte den Roman vor fast 30 Jahren so populär?

Case ist ein Punk im damalig neuen Sinne.
Ende der siebziger war Punksein gegen die Flowerpowerbewegung gerichtet, Case ist das Gegenteil der konservativen Strömung, er ist ein Neuromancer ein neuer romantischer.
Das Wortspiel zu Necromancer, engl. Geisterbeschwörer, der Hexer, der die Geister in der Matrix beschwört und beherrscht, fällt auf.
Aber auch die neue Romantik, das Hinwenden zu den technischen Möglichkeiten, ich will nicht gegen die Technik und die Matrix sein, ich gebe mein Menschsein für etwas Neues auf.
Es ist dies in dem sich die damaligen SF Autoren wie Greg Bear, Norman Spinrad und William Gibson von ihren Kollegen so unterscheiden.
Das, was uns heute so selbstverständlich erscheint, das Arbeiten mit Internet und neuen Medien, war damals eher verpönt.
Ursula K. LeGuin und andere eher soziologisch orientierte SF Autoren, vermischten die romantische Seite der Fantasy, der neuen Welten, mit der soziologischen Weiterentwicklung des Menschen.
Andere bereisten die Sterne, in riesigen Raumschiffen und kämpften gegen Aliens – wie Heinlein.
Die neue Romantik hat die Weiterentwicklung des Menschen im Sinne, der einzige Alien in 50 Jahren ist der Mensch, losgelöst vom Menschsein.
Molly und Case sind längst durch die chirurgischen Eingriffe vom Menschsein entfremdet, der ROM Speicher, oder Armitage, die KI, haben schon keine eigenen Körper mehr.
Alleine Philip K. Dick bewegte sich auf anderen Pfaden, aber das wurde erst spät nach seinem Tod erkannt.
Insofern ist dies ein wichtiges, grundlegendes Werk der SF und es sollte jeder zumindestens mal den Versuch gestartet haben es zu lesen.
Das machte es für mich aber nicht besser – eine Benotung nach den heutigen Kriterien fällt für mich persönlich negativer aus, als es vielleicht damals gewesen wäre.
Vor 30 Jahren wäre mir der Mund offen geblieben beim Lesen, heute entlockt das Werk mir nur ein müdes, verwirrtes Kopfkratzen.

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Wer nach Rallus‘ Sektion des Neuromancer einen eigenen Selbstversuch starten möchte, sei für weitere Informationen auf die Verlagsseite verwiesen, auf der unter anderem eine Leseprobe und die Vita des Autors zu finden sind.

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