Verfasst von: Bri | 15. November 2012

Rohstoff und Handwerk

In den 1980ern erschienen, ist mir dieses Buch erst im Jahr 2011 in die Hände gefallen. Aufmerksam wurde ich auf das Cover, weil es so sehr auf Titel und Inhalt des Buches abgestimmt ist, dass ich es einfach in die Hand nehmen musste.    
Jörg Fauser war mir ein Begriff, aber eher ein nebulöser. Was Fauser selbst angeht sehe ich dank des im Anhang des Buches befindlichen Inerviews nun sehr viel klarer. Was die beschriebene Zeit in den 70er Jahren in Deutschland angeht ebenso.

Fauser ist für mich mit keinem anderen deutschen Schriftsteller verlgeichbar – einstteils mag es daran liegen, dass er tatsächlich ein Millieu beschreibt, das die meisten deutschen Nachkriegs-Schriftsteller wohl nicht mal im Ansatz kennengelernt hatten. Ihre Geschichten waren geprägt von anderen, von schrecklichen, Erlebnissen während und kurz nach dem Krieg. Fauser, 1944 geboren, erlebt vor allem junge Deutsche, die sich von den alten Kriegsgeschichten befreien wollen, sei es durch Anarchie, Hausbesetzungen, Kommunenleben oder exzessiven Drogenkonsum. Sie suchen ihren Weg und wollen sich auf biegen und brechen abgrenzen.

Fausers Sprache ist so dicht, direkt, schnörkellos und treffend, wie die seiner großen amerikanischen Vorbilder Hammett und Chandler. Vielleicht ist es auch das, was ihn für mich nicht mit anderen deutschen Schriftstellern – auch nicht mit aktuellen – vergleichbar macht: sein amerikanischer vom Handwerk geprägter Stil. Dennoch hat das Buch Längen. Eintauchen in die Geschichte um Fausers alter ego Harry Gelb ist aber trotzdem jederzeit komplett möglich.

Rohstoff ist ein Muss für Leser, die mehr über das Deutschland der 70er Jahre – und das ungeschminkt und aus erster Hand – erfahren wollen und für mich sicher nicht der letzte Fauser.

Bevor Sie also morgen in die Buchhandlung Ihres Vertrauens gehen – informieren Sie sich doch einfach beim Diogenes Verlag, ob es nicht mehr, als nur dieser eine Fauser sein soll. Nicht vergessen – ich verlasse mich auf Sie!

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