Verfasst von: Bri | 7. November 2012

Wenn alle Missverständnisse geklärt sind

Alles Leiden beruht auf einem Missverständnis:                                                          

Das Wahrgenommene

mit dem Wahrnehmenden gleichzusetzen.“

Pantanjali Yoga Sutra 2.17

Nevada ist Yogalehrerin – hart, fordernd, ihre Schüler lieben die schweißtreibenden Stunden eben deswegen. Hier wird nicht lange philosophiert, sondern praktiziert. Sie selbst hält es mit der eigenen Yogapraxis ebenso. Yoga – der Zustand – kann erreicht werden durch Glauben oder durch ständiges, unnachgiebiges Üben. Nevada geht den Weg des ständigen Übens.  Zunächst.

Marie ist Ärztin im Kantonsspital, verheiratet mit einem Schauspieler, der für seine Rolle in einer Seifenoper im Spital recherchiert und sich dabei in Marie verliebt hat. Sie verkörpert Unabhängigkeit, Zielstrebigkeit und Kraft und zieht in Nevadas Montagskurs vor allem Teds Blicke auf sich.

Ted ist einer der wenigen Männer in Nevadas Kurs. Auffallend viele Frauen praktizieren Yoga und Ted ist meist von ihnen umgeben. Teds Leben ist gekennzeichnet von einem gewissen Frauenüberschuss, nicht zu seinem Vergnügen. Als Sohn einer früh emanzipierten Mutter wuchs er fast nur mit Mädchen auf und wurde so etwas wie ein Womanizer, ohne es darauf anzulegen. Der Typ Frau, auf den er normalerweise abonniert ist, steht im krassen Gegenteil zu Maries Ausstrahlung.

Und dann ist da noch Poppy – deren Aura wild zuckend und bunt jeden Montag an der selben Stelle im Raum, links vorne, auf der eigenen Yogamatte Nevadas Aufmerksamkeit erregt. Poppy braucht Struktur, Klarheit und ihre komplette Aufmerksamkeit, um nicht gleich vom Beginn der Stunde die Übungsreihenfolge zu variieren und ihrem eigenen Flow zu folgen.

Zusammen sind die vier die Montagsmenschen, die Milena Mosers klugem Roman den Titel verleihen. Montagsmenschen – der Begriff ist wie vieles im Leben oder besser in der Sprache doppeldeutig belegt. Zunächst beschreibt der Begriff erst einmal die Tatsache, dass sich die vier jeden Montag zur selben Zeit am selben Ort treffen, um in den Zustand des Yoga zu finden.

Andererseits sind die Montagsmenschen einfach Menschen, die nicht in gewisse Normen passen, mit kleinen Macken versehen – wie wir alle. Und genau das macht es so leicht, Nevada, Marie, Ted und Poppy die Tür zu öffnen und in das eigene Leben zu lassen. Der Wermutstropfen bei liebgewonnen Figuren wird auch hier nicht ausbleiben – nach Beendigung des Romans braucht man ein ganzes Weilchen, um zu merken, wie sehr man sich an die vier gewöhnt hat. Aber auch das lernt man in diesem Buch: Loslassen ist die Lektion des Lebens.

Viele Lektionen erhält man von Milena Moser, die selbst seit Jahren praktizierende Yogini ist, nicht zur zu dem eigentlichen Sinn von Yoga, was tatsächlich den Zustand des Einswerdens mit dem Göttlichen, der Schöpfung und den Weg dorthin bezeichnet, der auf ganz unterschiedliche Weise beschritten werden kann. Ganz plastisch wird das mit den vier Hauptprotagonisten des Romans, die in jedem Kapitel des in drei Teile gegliederten Buches, einen eigenen Abschnitt zugewiesen bekommen. Jedem Kapitel ist ein Patanjali Yoga Sutra ( nach TKV Desikachar und von Milena Moser in eigene Worte gefasst) vorangestellt, das das Kapitel auf das Allerbeste vorab beleuchtet und zusammenfasst.

Anfänglich erinnert die Struktur des Romans ein wenig  an „Sonnengruß für Regentage“ erinnert – den Roman der Amerikanerin Zoe Fishman. Gleiches Sujet, gleiche Struktur – aber bei weitem weniger gut ausgefeilt, überdacht und erarbeitet. Praktisch nicht vergleichbar.

Meine erste Lesehemmung durch diese Analogien konnte ich glücklicherweise und nicht zuletzt wegen des überzeugenden Schreibstils Milena Mosers rasch überwinden.

Die Handlungen der Yogi sind weder schwarz noch weiß und auch nicht schwarz-weiß wie die der anderen.“

Patanjali Yoga Sutra 4.7 

Wer also gerne in vier alltägliche und dennoch außergewöhnliche Leben eintauchen, etwas über Yoga erfahren und einen Roman lesen möchte, der kunstvoll strukturiert ist, ohne dass man es ihm anmerkt, dem sei nachdrücklichst angeraten,  sich diese warmherzige, kluge und tröstliche Geschichte gleich morgen in der Buchhandlung des Vertrauens einpacken lassen. Ich verlasse mich auf Sie!

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Responses

  1. Warmherzig, klug und tröstlich. Wie immer pfeilgenau auf den Punkt gebracht! Eine wunderbare Geschichte und wirklich hilfreich gegen jede Art von Lesehemmung. Elfengruss!

  2. sonnig, lächelnd Zustimmung nicke 😉
    Poetisch erfasst ohne zu spoilern !

  3. Meine Lieben, ich danke euch für diese schönen Kommentare – denn ihr habt das Buch ja schon gelesen und teilt wohl meine Leseerfahrung. Danke – das bedeutet mir wirklich viel.


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