Verfasst von: Bri | 7. Oktober 2012

Science Fiction Sonntag mit Rallus – Klappe, die Zweite

Wagner im All
Was haben Richard Wagner und Angus Thermopyle gemeinsam?
Der eine ist laut Stephen Donaldson das „Geläufige“, beim anderen handelt es sich um das „Exotische“.
Nur beides zusammen ergibt die für einen guten Roman unverzichtbare Mischung.
Für Donaldson ist Angus das Geläufige und lange lag sein Roman „Die wahre Geschichte“ unveröffentlicht in des Autors Tresor, so sehr – ja – schämte sich Donaldson um seine Arbeit.
Erst mit der Komponente des Exotischen konnte er seine Arbeit beenden und dies ist Richards Wagner Ring der Nibelungen.
Der geneigte Leser möchte sich bitte nicht jetzt mit Grausen abwenden, sich an alle Wagnerschen Schandtaten und antisemitistischen Verknüpfungen erinnernd.
So wird ihm eines der wichtigsten SF-Zyklen entgehen die in jüngerer Zeit geschrieben wurden.
Und Donaldson bedient sich auch „nur“ der eigentlichen Geschichte der Saga und nicht der pompösen und lauten Musik.
Allein pompös ist sein Amnion-Zyklus schon geworden, ganze 3500 Seiten im Deutschen sind es geworden.
Sein erster Roman „The Gap into Conflict“ im Original, bringt es auf schlappe 214 Seiten und ist die Ouvertüre zu den folgenden Bänden.
Doch schon hier ist die Kunst von Donaldson zu spüren, seine Art und Weise mikroscharf die Gedanken, Gefühle jedes Einzelnen schmerzlich dem Leser näherzubringen.
Aber auch seine famose Weise, die schriftstellerischen Physikmuskeln spielen zu lassen und uns realistisch ins Weltall zu entführen.
Schmerzlich sind die erlebten Gefühle unserer drei Helden Angus Thermopyle, Morn Hyland und Nick Succorso insofern, dass alle drei höchst bedenklich agieren und vollkommen unsympathisch wirken.
Nicht alleine die Namen geraten exotisch, Donaldson hat einen Hang zu extremen Charakteren, der sich hier niederschlägt.
Er bringt uns ihre Gründe, so und nicht anders zu reagieren, in diesem kosmischen Kammerspiel detailliert nahe.
Das macht ihre Handlungen logisch, aber trotzdem unvorhersehbar und schafft eine innere kurz vor dem Zerreißen stehende Spannung, gerade weil auch die Akteure in einer höchst kritischen Situation zueinander stehen. Teilweise entsteht ein Sog der einen nicht mehr loslässt.
Die ersten paar Seiten erzählt Donaldson uns die Geschichte, wie sie jeder erlebt hat und wie sie auch in der Zeitung gestanden hätte.
Angus Thermopyle, seines Zeichens allein handelnder und lebender Pirat, erscheint in der Bar der Raumstation mit einer wunderschönen Frau, Morn Hyland, die dem hässlichen Angus, widernatürlich, anscheinend vollständig zu Willen ist.
Nachdem beide Nick Succorso treffen kommt es zu verschiedenen Ereignissen, die dazu führen dass Morn bei Nick ist und Angus im Gefängnis.
So weit zusammengerafft die Story, Donaldson beschreibt was die Leute glauben und dann erst fängt er an, uns die „wahre Geschichte“ zu erzählen und läßt dabei einzig Nicks Part aus, beschränkt sich hauptsächlich auf Angus und Morn.
Wie Morn in Gefangenschaft gerät, Angus sie als seine sexuelle Sklavin benutzt und beide in eine starke Abhängigkeit zueinander geraten, ist ein zentrales Thema.
Teilweise übertreibt Donaldson, mancher zartbesaitete Leser wird sich grausig abwenden; auch der Grund dass der Roman so lange im Tresor lag, ist Donaldson Furcht der Leser möge die Stellen mit ihm persönlich in Verbindung bringen und ihn als Ungeheuer abstempeln.
So mancher Thriller hat natürlich blutigere Momente und Gewalt ist leider fast schon ein Normalfall in aktuellen Medien geworden, alleine Donaldsons scharfe Beobachtungsgabe und mikrogenauen Beschreibungen zerren an meinen Nerven.
Daneben bekommen wir aber auch allerlei technische Neuerungen erzählt, auch diese werden detailgetreu wiedergegeben, des Autors Sprache ist wortgewandt und auch der Übersetzer hat sehr gut gearbeitet.
Weglassen kann man den ersten Band nicht, unverzichtbar sind die Ereignisse die hier geschildert werden für den weiteren Verlauf der jetzt noch 3300 Seiten, sie lösen eine Art Kettenreaktion aus.
Erahnen kann man sicherlich nicht was noch kommt, es wird wahrscheinlich (hoffentlich) ganz anders, die Wesen die dem Zyklus seinen Namen geben (Amnion), werden auftauchen, weitere Götter ähnliche Gestalten werden dieses Universum überfluten, wie in der Nibelungensaga, wie wird Donaldson seine „Götterdämmerung“ gestalten?
Gerne habe ich seine „Thomas Covenant, der Zweifler“ Bücher gelesen und kenne seine sprachgewaltige Wucht, die phantastischen, lebhaften, anregenden Welten und Gestalten die er erschaffen kann und freue mich auf viele gemeinsame, dramatische, mitreißende Stunden.
Für den ersten Roman kann ich wegen seiner enthaltenen Gewaltszenen nur 7 von 10 Sternen vergeben und eigentlich ist ein Format von 210 Seiten für einen solchen Zyklus – ja fast unwürdig.
Aber dennoch sollte sich der geneigte Leser nicht abhalten lassen, weiter zu lesen, es lohnt sich!

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