Verfasst von: Bri | 7. August 2012

Alte Liebe rostet nicht?

Wenn nicht, dann jetzt – kryptischer geht es fast nicht mehr und doch beschreibt dieser Titel Edgar Rais lockeren Unterhaltungsroman um den sympathischen aber nicht ganz ernst zu nehmenden Jan Bechstein absolut treffend.
Denn auch Jan weiß nicht so recht, was eigentlich los ist – mit ihm, mit seinem Leben, seiner Tochter, mit der er einmal im Jahr einen zweiwöchigen Urlaub verbringt und vor allem mit Sergeja. Sergeja ist Musikerin und die Mutter seiner Tochter Mia. Sie war seine große Liebe und doch hat er sie vor 15 Jahren mit der einjährigen Mia alleine gelassen.
Warum? Das weiß weder Jan noch der Leser so genau – zumindest mir hat sich das leider nicht ganz erschlossen. Aber so ist das Leben nun manchmal, tief und unergründlich.
Unergründlich ist die Story an manchen Stellen – vielleicht aber ist das auch ein stilistischer Trick, den Edgar Rai des öfteren und durchaus gekonnt nutzt, um den Leser bei der Stange zu halten – tief allerdings will die Geschichte gar nicht sein. Das zeigt schon ein Blick in den Text auf dem Buchrückent, in dem wenn nicht, dann jetzt als „liebevoll chaotische Sommerkomödie“ bezeichnet wird.

Liebevoll – so schildert Rai auf jeden Fall einige der schönsten Orte der Handlung. So zum Beispiel Sergejas Heimatdorf in Slowenien oder Jans und Mias gemeinsamen Urlaubsort in Italien.
Chaotisch – sind die Gefühle, die Jan dazu bringen, die Frau, die er vor langer Zeit sitzen gelassen hat, wieder für sich gewinnen zu wollen und die damit verbundenen Handlungen. Aber auch die Einführung mancher Romanfiguren, die die Handlung zwar ein wenig ausschmücken, aber irgendwie auf der Strecke bleiben.
Sommerkomödie – das ist das Genre, in dem der ganze Roman gehalten ist. Beim Lesen erscheinen witzige Details vor dem inneren Auge, die sich zusammenfügen zu kleinen Bildeinheiten – fast könnte man meinen, Rai hätte den Roman schon hinsichtlich einer Verfilmung geschrieben.

Aber was im Film gut funktioniert, macht das Buch ein wenig oberflächlich. Identifikation konnte sich nicht einstellen, obwohl ich vor allem die Figur der 16 jährigen Mia als sehr erfrischend und gelungen empfand. Weiß sie doch relativ genau, was Sache ist und was sie eigentlich will – ganz im Gegenteil zu ihrem Vater, der sich eher in eine Idee hineinsteigert, als sich ernsthaft mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen. Hut ab vor der Pubertierenden, die in manchen Augenblicken so viel klarer sieht, als ihre Umwelt.

Tatsächlich gestört aber hat mich an der lockeren Schreibweise Edgar Rais eine Sache: die häufig verwendeten Anglizismen, die im Deutschen (meiner Meinung nach) sehr viel schönere Entsprechungen gehabt hätten. Hingabe ist für mich ein so ausdruckstarkes Wort, dass ich es nie im Leben durch commitment ersetzen wollen würde.

Obwohl ich mich das ganze Buch hindurch gefragt habe, warum Jan seine Sergeja unbedingt zurück haben will, blieb diese Frage für mich offen. Schade.

Wegen der Figur der Mia und wegen der schlussendlichen Entwicklung Jans gibt es von mir für diesen schnell wegzulesenden kurzweiligen Sommerroman insgesamt drei Sterne auf der fünfsternigen  Richterskala.

    Eine Leseprobe und mehr Infos gibt es beim Verlag

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Responses

  1. Na vielen Dank auch für diese aussagekräftige Rezension. Endlich mal ein Buch, das ich nicht dringend haben will….. Elfengruss

    • Nichts zu danken, gerne geschehen 😉 So solls doch ab und zu auch mal sein. Grüße zurück


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