Verfasst von: Bri | 9. Juli 2012

Im Zeichen des Panda – gut gemeint ist beileibe nicht gut getan

Eine Gemeinschaftsrezension von Rallus und Bri

Das Gegenteil von gut, ist immer noch gut gemeint

Wilfried Huisman ist ein renommierter Journalist, Filmemacher und dreifacher Träger des Grimme Preises. Insofern hat das, was er veröffentlicht auch zumeist Hand und Fuss.

Für die ARD hat er sich bereits mit einer großen angesehenen NGO (Nichtregierungsorganisation), genauer mit dem WWF, befasst und geriet schon damals ins Visier der Organisation. Das schreckte ihn nicht davon ab, die investigativen Ermittlungen über die Aktionen des vermeintlichen Umwelt- Und Tierschutzbundes voranzutreiben und zu vertiefen.

Das aber konnte dem WWF nicht gefallen, der bereits vor Erscheinen von Huismanns Schwarzbuch WWF den Verlag aning und eine Woche nach Erscheinen versuchte, ohne richterliche Verfügung aber mit massiven Anwaltsdrohungen, Druck auf den Buchhandel auszuüben. Viele der großen Zwischenbuchhändler und Buchhändler gaben dem nach. Weder bei Amazon, Weltbild, Libri oder Thalia war das Buch zu erhalten. Der Buchhändler des persönlichen Vertrauens aber bestellte und das direkt beim Verlag – die einzig Leidtragenden waren somit die Großen und darum ist es nicht schade.

Doch was schreibt Huismann nun so Schlimmes in diesem Schwarzbuch*, was diese Aufregung rechtfertigt?

Huisman rollt die Geschichte des WWF chronologisch auf und erzählt, wie schon in den Anfangstagen der falsche Samen gelegt wurde.
Den falsche Samen gelegt hat niemand anders als Prof Dr.Grzimek, Tierarzt, Verhaltensforscher und langjähriger Direktor des Frankfurter Zoos.

Nach seinem Bestseller „Kein Platz für wilde Tiere“ und dem prämierten Film wurde die Irrlehre in die Tierschutzköpfe gelegt, dass der böse (farbige) Ureinwohner für die Ausrottung der wilden Tiere verantwortlich ist.
Was nun folgte war beispiellos in der Geschichte des „Naturschutzes“. Die Ureinwohner in der Serengeti, die jahrelang im Einklang mit Natur und Tier gelebt hatten, wurden vertrieben, zusammengepfercht und leben seitdem heimat- und wurzellos fern ihrer eigentlichen Umgebung. In den befriedeten Nationalparks wurden wasserfressende Hotels gebaut und umweltverschmutzende Safaritouristen eingeflogen, die die letzten wilden Tiere bestaunen und gegen ein Entgelt auch jagen konnten.
Irgendwie musste man ja die Bestände kontrollieren und warum sollte man damit nicht ordentlich Geld verdienen?

Nun stellt sich die Frage: Was hat der WWF damit zu tun?
Huismann (und der geneigte Leser) weiß es: der WWF forciert das alles, indem er Nationalparks anregt, um „hochwertige Wälder“ zu erhalten.
Gut gemeint, aber nicht gut getan, denn der Umkehrschluss bedeutet, dass um die Nationalparks herum immer mehr Wälder abgeholzt und brandgerodet werden, weil sie laut WWF nur noch „degradierte“, also keine Primär- oder Urwälder mehr sind.
Dort errichten dann große Konzerne ihre Plantagen. Konzerne, die sich mit dem Panda schmücken dürfen, obwohl sie in ihrer maßlosen Gier nach Wachstum und Geld schlimmste Umweltsünden und Raubbau an Mensch und Tier betreiben.
Der WWF liefert die Vermessungen und Gutachten, damit das alles möglich ist.

Nicht nur die indigenen Völker leiden unter der Vertreibung, welche schlussendlich im Aussterben der deren Kulturen gipfeln wird, sondern auch die vom WWF zur Spendengeldbeschaffung plakativ in Szene gesetzten wilden Tiere, deren Populationen aufgrund der massiven Verringerung von Lebensraum und Jagdgründen immer kleiner werden.
Dünnes Eis, auf das sich der WWF ganz freiwillig wagt.

Denn er gibt sich dem Irrglauben hin, er könne Einfluss auf die Verhaltensweisen solcher Konzerne wie Monsanto
(bekannt für genmanipuliertes Saatgut, das dazugehörige hochgiftige Unkrautvernichtungsmittet und die dadurch komplett von Monsanto geknechteten Bauern, da das totgespritzte Land nach immer mehr gespritztem Gift verlangt) oder Marine Harvest (Verseucher des Meeres vor Chile durch überhöhte Ausbringung von Antibiotika in den Lachsfarmen …) nehmen, wenn er nur laut genug „Du, Du, Du“ ruft – mehr kann er nicht tun, denn er nimmt ja nicht nur die Spenden dieser Konzerne willig an, sondern integriert auch nebenbei deren hochrangige Mitarbeiter in den eigenen Reihen – wie es wirtschaftliche Konzerne des öfteren eben tun.

Doch diese Vermischung schafft keine klaren Abgrenzungen, die Interessen der Konzerne werden zu oft geduldet.
Das Prinzip der sanften Umarmung des WWF funktioniert nicht bei wirtschaftlich geführten Großkonzernen, vielmehr sollte es Aufgabe einer kritischen Naturschutzorganisation sein, die Machenschaften der Konzerne aufzudecken und sie publik zu machen, nicht sie zu verschleieren und dies noch dazu als Erfolg hinzustellen,weil es ja ansonsten nur noch schlimmer wäre.
Bei Großrodungsprojekten dienen ganze 10% einer erhaltenen Fläche dem WWF als Erfolgsgeschichte, wobei 90% dem Konzern verbleiben und die 10% noch nicht einmal bewiesen, sondern vom WWF nur großzügig angenommen werden.

Ein erschütternder Bericht, der einem die Augen öffnet und zeigt,
dass es wichtig ist, sich zu informieren und nicht einem treuherzig blickendem Gorilla vollumfänglich zu trauen, der für Spenden missbraucht wird.

Eines allerdings ist dem Verlag anzukreiden: ein Buch auf FSC Mix zertifiziertem Papier drucken zu lassen, in dem genau dieses Siegel als völlige Farce entlarvt wird.

*Anmerkung der Rezensenten: ein Schwarzbuch ist per se eine Sammlung von Negativpunkten aus Sicht des Autors oder Herausgebers

Hier gehts zur Leseprobe auf der Verlagsseite und mehr Infos gibt es dort auch.

 

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Responses

  1. […] besorgt hat. Eine eigene Rezension darüber werde ich nicht verfassen. Warum auch, wo doch die Besprechung auf Bri‘s Literaturen alles sagt, was zu dem Buch zu sagen […]


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