Verfasst von: Bri | 6. März 2012

Zwischen Köln und Nizza liegt das Glück

Bergen an Zee – Paris – Über den Dächern von Nizza

Friederike Berger alias Grace Kelly will John Robie – treffen, kennen lernen, lieben. Blöd nur, dass sie vor kurzem geschieden, alleinerziehende Mutter und voll arbeitende Verlagsmitarbeiterin bei Best & Seller ist. Da ist wenig Zeit für sich, die eigene Entwicklung, geschweige denn einen neuen Mann. Deshalb bekommt Fritzi von ihrer besten Freundin Johanna zum 40. Geburtstag kurzerhand ein Freundinnen-Wochenende in Bergen / Holland geschenkt. Verkupplungsversuch inklusive. Wiederum blöd ist nur, dass der Auserwählte wohl eher auf Johanna steht und Fritzi selbst ihn nicht gerade prickelnd findet. Aber wie es der Zufall oder die Fügung so will, steht da am Tresen ein ziemlich gut aussehender junger Mann, dem Fritzi wohl auch aufgefallen ist …

Friederike Berger könnte real sein, vielleicht ist sie es auch – denn ihre Geschichte ist eine fast alltägliche, jedoch nicht ungewöhnliche. Sie kämpft wie so viele ihrer AltersgenossInnen mit der Frage nach dem Sinn, nach dem was noch kommen mag und gibt sich mit dem nicht gerade glänzenden Status Quo nicht zufrieden. Sie kümmert sich um ihre kleine Tochter mit der größtmöglichen Hingabe, die ihr ihn der wenigen Zeit neben dem Verlagsjob noch bleibt.Macht sich Gedanken, wenn das Kind nur noch – man stelle es sich vor! – in braun und schwarz malt … was aber einen ganz pragmatischen Grund hat, durchaus zum Amüsement der Leserschaft. Sie liebt ihre Arbeit und setzt viel Energie darein. Bei all diesen „Lebensbaustellen“ bleibt etwas auf der Strecke – vor allem sie selbst. Aber sie schafft es, trotz vieler zu bewältigenden Aufgaben, sich auf etwas Neues einzulassen, ihren Weg fortzusetzen. Vor allem aber findet sie auf diesem Weg etwas, das nicht viele ihrer AltersgenossInnen kennen: sich selbst und eine grundlegende Zufriedenheit mit dem eigenen Tun und Leben. Und wie es so ist im Leben, wenn man sich am wohlsten mit sich selbst fühlt, da platzt unvermutet das Glück zur Tür herein.

Trixi von Bülow ist mit „Ich wünsche mir, dass endlich mal was Schönes passiert“ ein schöner, nicht immer ganz leichter, unterhaltsamer Roman mit hohem Identifikationswert für Frauen um die vierzig gelungen. Der Rückentext preist den Roman als deutsche Antwort auf „Eat pray love“, ein Vergleich, der zwar nicht ganz von der Hand zu weisen ist, der aber dennoch hinkt: denn Fritzi Berger kann es sich schlichtweg nicht leisten, ein ganzes Jahr Auszeit zu nehmen und sich komplett um sich selbst zu kümmern. Und genau das ist es, was dem Roman diesen hohen Identifikationswert verleiht.

Was viele LeserInnen außerdem interessieren wird, sind die detailreichen und lebensecht beschriebenen Abläufe des Verlagsalltags. Hier wird nichts geschönt und nach meiner eigenen Erfahrung kaum übertrieben. Der Einblick in die schillernde Verlagswelt mag für manche LeserIn ernüchternd wirken, ich empfand ihn als erfrischend ehrlich und wohltuend. Denn auch Verlage müssen Geld verdienen.

Dennoch zieht sich der zweite Teil von Fritzis Suche nach dem Glück hin und wirkt ein wenig zu stereotyp. Die Lesefreude erhält jedoch immer wieder Aufschwung durch den flüssigen Stil und die wunderbaren literarischen und filmischen Querverweise.

Fazit: ein unterhaltsamer leichter Frauenroman für einen hoffentlich bald beginnenden Frühling!

Für weitere Infos zum Buch geht es hier lang.

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