Verfasst von: Bri | 18. Januar 2012

Eiskaltes Drama am Everest

Ab 8000 Metern Höhe ist jeder für sich selbst verantwortlich und kaum mehr zurechnungsfähig – eine eiskalte Gemeinschaftsrezension von Bücherelfe und Bri

Bergsteigen alleine ist schon nicht ganz ohne, doch Extrem-Bergsteigen und das auch noch am Mount Everest ist mehr als gefährlich. Wer sich in dieses Abenteuer stürzt, darf alles sein, nur kein Abenteurer.

Der Autor, Jon Krakauer, erhält von der Zeitschrift „Outside“ den Auftrag, einen Artikel zur Kommerzialisierung des Mount Everest zu schreiben. Aber Krakauer ist nicht nur Journalist sondern er war in der Vergangenheit auch ein leidenschaftlicher Bergsteiger. Und wenn er sich eines Themas annimmt, dann richtig. Also schliesst er sich nach längerer Vorbereitung einer Expedition an – einer Expedition, die in einem eiskalten Drama endet. Acht Menschen verlieren ihr Leben. Unter ihnen Scott Fischer  und Rob Hall ,  beides ganz grosse Fische im kleinen Teich der Extrem-Bergsteiger-Community.

Geführte Touren auf den Mount Everest mit all ihren Begleiterscheinungen – zu viele Menschen gleichzeitig auf dem Weg nach oben, Banalisierung des Berges und der Gefahr,  Vermüllung – stoßen nicht bei allen Profi- und Extrembergsteigern auf Gegenliebe. Auch das Volk der Sherpa befindet sich hier im Zwiespalt, ist das Lastentragen für sie doch eine einträgliche Sache, doch andererseits ist der Mount Everest ein heiliger Berg, dessen Name auf tibetisch Mutter des Universums  bedeutet,  und die Sherpa sind auserkoren  die Mutter des Universum zu schützen. Ein Dilemma, das dem Aberglauben Vorschub leistet.

So sind auch die Ereignisse um den 10. Mai 1996 aus der Sicht der Sherpas behaftet von diesem Aberglauben. Atemlos hört man Christian Brückner zu, der die minutiös von Krakauer recherchierten und geschilderten Vorkommnisse und vor allem Versäumnisse des Tages, die in ihrer Summe unweigerlich in einem Drama enden müssen, grandios vor dem inneren Auge des Zuhörers erstehen lässt. Kann man den  fatalen Wetterumschwung, den niemand hat voraussehen können, mit unangemessenem Verhalten am Berg erklären? Sicherlich nicht. Eines ist aber klar: 33 Bergsteiger hatten sich an diesem Tag gegen Mitternacht auf den Kräfte zehrenden Weg zum Gipfel begeben. Nicht alle werden ihn zeitig genug erreichen, um den Abstieg heil zu überstehen.

Hörbücher zu rezensieren, ist keine einfache Sache.  Während wir beim gedruckten Buch mit Post-Its bewaffnet gleich die entscheidenden Seiten markieren und am Ende diese nochmals ruckzuck hervorholen können, bleibt beim Hörbuch nurmehr die Erinnerung an das was da in unsere Gehörgänge gerauscht ist.  Christian The Voice Brückner schafft es extrem gut, die schier unglaublichen Geschehnisse um den 10. Mai 1996 am Mount Everest zu lesen und in unserem Gedächtnis zu verankern. Er spricht so eindringlich und gefühlvoll, dass einem schon beim Zuhören die Kälte entgegenschlägt und die Erschöpfung der Expeditionsteilnehmer am eigenen Leib spürbar wird. Und auch wenn man schon zu Beginn des Hörbuchs weiss, dass am Ende ein Drama steht, hofft und bangt man mit allen Beteiligten mit. Und ganz nebenbei lernen wir einiges zum Thema Extrem-Bergsteigen.

Fazit:  Ein Hörbuch, das alles hat, was man sich von einem Hörbuch wünschen kann.  Absolute Hörempfehlung für in Eisige Höhen!

Hörbuch „In eisige Höhen – das Drama am Mount Everest“ von Jon Krakauer, gelesen von Christian Brückner.. 10 Std. 48 Min (ungekürzt) 6 Std. 23 Min.  Im Download bei Audible erhältlich für 20,95 € oder im Flexi-Abo für 9.95 €.

Weitere Infos und eine Hörprobe findet ihr hier

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Responses

  1. Ich danke dir für den Austausch und das gemeinsame Frieren…. 🙂 Elfengruss


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