Verfasst von: Bri | 3. Januar 2012

Eine Spurensuche von Thursdaynext und Bri in den Fluten Katrinas

Being Zola Jackson

Was bringt ein Individuum dazu so und nicht anders zu handeln ?

Autor Gilles Leroy begibt sich mitten ins Auge des Sturms. Draußen wütet Katrina und lässt New Orléans untergehen während im Inneren Zola Jacksons andere Stürme aufkommen. Sprachlich wunderbar schlicht, versetzt mit einem Hauch Poesie schlüpft man in Zolas Gedankenwelt. Sie ist hart im Nehmen, mitleidlos, direkt.
Zola, Witwe, verwaiste Mutter, gebildete Schwarze glaubt wie so viele Bewohner damals daran, dass die Dämme halten. Glaubt an die Regierung und muss miterleben, wie die Versprechen der Politiker sich buchstäblich im Wasser auflösen.
Fliehen kann sie nicht . No place to run, no place to hide. Wie das Gros der vorwiegend farbigen armen  New Orléanser, deren Heime unterhalb des Meeresspiegels liegen.

Aber nicht nur Menschen mussten vor Katrina fliehen. Was wird aus den geliebten Mitbewohnern? Den Hunden, den Katzen, den anderen Tieren in New Orléans? Zola glaubt nicht nur an die Regierung und deren Beteuerungen, die Dämme würden dieses Mal halten, sie hat auch Angst davor, was aus ihrem geliebten Hund Lady wird, wenn sie ihr Heim verlässt. Auch deshalb bleibt sie zurück. Gemeinsam mit Lady, und begibt sich mit ihr in die Fluten der Erinnerung. Erinnerung an die Zeit vor ihrem großen Verlust, an die Zeit, in der sie schon einmal einem großen Sturm getrotzt hat.

Damals gelang es ihr und auch den unzähligen späteren Stürmen stellte sie sich unverzagt entgegen.
Zerbrochen ist sie an der grausamen Unvermeidlichkeit des Schicksals .
Doch nicht ganz.  Liebe, Fürsorge und Hoffnungsfünkchen stecken noch in der knorrigen alten Schachtel die wir beim Lesen womöglich gerade wegen ihrer Ambivalenz und gleichzeitigen Unnachgiebigkeit lieb gewannen.

Gilles Leroy erreicht dies mit knapper, manchmal fast schon dürftig anmutender, treffsicherer, dennoch zwirbeliger Sprache in der Zolas Härte und  Seelenschmerz durchschimmern.
Gleichzeitig malt er Bilder von so poetischer Kraft, dass man sich kaum im Auge des Sturms wähnt.

Zolas Weigerung, New Orléans ohne Lady zu verlassen führt auf vielen Ebenen zu Klarheit und Versöhnung und bestätigt sie komplett in ihrem Tun.

Leroy hat bereits in Alabama Song (Bri hat es bereits gelesen und rezensiert) seine Fähigkeit bewiesen, aus einzelnen Versatzstücken ein grandioses Gefühls- und Stimmungsbild zu schaffen. Auch bei Zola Jackson ist ihm dies in einnehmender und direkt treffender Weise gelungen. So dünn das Büchlein, so fein die Sprache, so unglaublich nah kamen wir der Geschichte, lebten schon fast mit ihr. Ob er, wie dem Klappentext zu entnehmen ist, vor allem die weibliche Seele einzufangen befähigt ist, wollen wir so nicht bestätigen. Menschen sind es, die ihn interessieren. Und diese stellt er in all ihren Facetten äußerst glaubwürdig dar.

Fazit: bestes Kopfkino – wir sind gespannt auf das, was Leroy uns noch präsentieren wird.

 

 

 

 

 

Für mehr Info zum Buch gehts hier lang

 

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