Verfasst von: Bri | 21. Oktober 2011

Wer den Namen des Windes kennt, besitzt große Macht

Ein Mann, der vorgibt, ein einfacher Wirt zu sein und der viele Namen hat.  Als  Wirt heißt er Kote, sein eigentlicher Name ist Kvothe, sein Schüler nennt ihn Re’shi. Er wird der Blutlose genannt, ein Königsmörder, der größte Zauberer  seiner Zeit soll er sein und sitzt unerkannt in einem einfachen Dorfwirtshaus. Die Geschichten über ihn sind – ebenso wie seine vielen Namen – Legende.
Als sich die Zeichen häufen, dass die Strassen immer  unsicherer werden und merkwürdige Wesen erscheinen, legt er sich im Wald auf die Lauer. Sein Interesse gilt seit langem den Sieben, den Chandrian. Dämonen sollen sie sein oder etwas anderes. Sie tauchen plötzlich auf, töten alle, die ihren Weg kreuzen und hinterlassen rostendes Eisen und blaue Flammen. Was wirklich hinter den Geschichten und den Liedern über die Chandrian steckt will Kvothe seit langer Zeit aus persönlichen Gründen aufdecken. Als er auf der Lauer liegend des Nachts im Wald an einem Lagerfeuer sitzt, stösst der Chronist zu ihm und verdankt ihm seine Rettung, sein Leben.
Der Chronist, ein weitgereister Mann mit großem Wissen, erkennt Kvothe und bringt ihn dazu, ihm seine wahre Geschichte zu erzählen. Unter bestimmten Voraussetzungen: Kvothe benötigt drei Tage, um seine Geschichte zu erzählen – nicht weniger, nicht mehr –  und der Chronist wird nicht die geringste Kleinigkeit an der Geschichte verändern.

… „Mein Name ist Kvothe. Namen sind wichtig, denn sie verraten einem viel über einen Menschen. Ich habe schon mehr Namen getragen als irgendjemand rechtmäßig tragen dürfte.
Die Adem nennen mich Maedre. Das bedeutet, je nachdem, wie man es ausspricht, >die Flamme<, >der Donner< oder >der zerborstene Baum<.
>Die Flamme< ist leicht nachzuvollziehen, wenn man mich je gesehen hat. Ich habe leuchtend rotes Haar. Wäre ich ein paar Jahrhunderte früher geboren, hätte man mich wahrscheinlich als Dämon verbrannt. Ich trage mein Haar kurz, aber es ist widerspenstig. Sich selbst überlassen, steht es zu Berge, und dann sehe ich aus, als stünde ich in Flammen.
Den >Donner< führe ich auf meinen kräftigen Bariton zurück und auf viel Bühnenerfahrung in jungen Jahren schon.
Den >zerborstenen Baum< fand ich nie sonderlich treffend. Im Nachhinein könnte man darin jedoch ein Vorzeichen sehen.
Mein erster Lehrer nannte mich E’lir, weil ich klug war und das auch wußte. Meine erste große Liebe nannte mich Dulator, weil ihr der Klang gefiel. Man hat mich auch Shadicar genannt, Flinkfinger und der Sechssaitige. Man nannte mich Kvothe den Blutlosen, Kvothe den Arkanen und Kvothe den Königsmörder. Ich habe mir die Namen verdient. Ich habe sie mir erkauft, und ich habe dafür bezahlt.
In meiner Kindheit jedoch hieß ich schlicht nur Kvothe. Mein Vater sagte mir einmal, das bedeute >zu wissen<. Man hat mich natürlich noch mit vielen weiteren Bezeichnungen belegt. Die meisten davon unflätig, nur die wenigsten unverdient.
Ich habe geraubte Prinzessinnen aus den Händen schlafender Unholde befreit. Ich habe die Stadt Trebon niedergebrannt. Ich habe eine Nacht mit Felurian verbracht, und es hat mich weder das Leben noch den  Verstand gekostet. Ich wurde von der Universität verwiesen, in jüngerem Alter als die meisten Leute dort zugelassen werden. Ich wandele im Mondschein auf Pfaden, von denen andere auch bei Tag nicht zu reden wagen. Ich habe mit Göttern gesprochen, habe Frauen geliebt, habe Lieder geschrieben, bei denen selbst die Sänger in Tränen ausbrechen.
Ihr habt womöglich schon von mir gehört.“ …

So beginnt Kvothe seine Geschichte. Und für mich war das ein unglaublicher Einstieg. Unglaublich wegen der Kraft seiner Worte. Auf so etwas habe ich seit langem gewartet und unverhofft hielt ich es in Händen.

Der Name des Windes ist der erste Band der Königsmörder Chroniken und beinhaltet den ersten Tag der Aufzeichnung. Patrick Rothfuss führt uns in eine neue Welt, eine Welt des fahrenden Volkes, der Dämonen, der Weisen – wie einst J.R.R Tolkien in die Welt der Hobbits, Ringgeister und Elben. Und doch anders. Die Vergleiche mit Tolkien, die überall bereits angestrengt werden, sind meiner Meinung nach schwer zu bewerten. Erwartet man eine Geschichte, wie den „Kleinen Hobbit“ oder „Den Herrn der Ringe“, ist man sicher etwas enttäuscht. Lässt man sich aber auf eine neue phantastische Welt ein, dann wird man mit einem Regaljuwel belohnt.
Die Sprache, die Rothfuss spricht, ist geschliffen und trifft mit jedem Wort.  Hier ist der Vergleich mit Tolkien vielleicht am ehesten angebracht.. Rothfuss ist ein wahrer Geschichtenerzähler und so fühlte ich mich an den Tisch im „Wegstein“ versetzt, lauschend, erahnend, von welch großartigen Geschehnissen ich erfahren würde.
Ich habe Kvothe auf seinen Abenteuern begleitet, habe mit ihm gelitten, ihn bewundert und bin gespannt, wie er seinen Weg fortsetzen wird.

Das einzige was mir an diesem Buch nicht gefällt, ist die Tatsache, dass ich nun erst wieder lange auf den nächsten Band warten muss. Ich wünsche Patrick Rothfuss eine flotte Feder und uns Lesern damit eine baldige Fortsetzung einer wunderbaren Geschichte.

©BvF

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Responses

  1. Ahhh ..ich erinnere mich und Band 2 steht an …;)
    Dem Wunsch um die flotte Feder wird wohl eher nicht entsprochen , aber ein WAHRER Geschichtenerzähler benötigt eben Zeit 😉
    Sprachlich sehe ich es ebenso wie du ein herrlicher Fabulierer !

    • Da hast Du Recht, er soll die Zeit ruhig haben … wer solches abliefert soll einfach nur weitermachen. Egal wie schnell oder langsam.


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