Verfasst von: Bri | 22. September 2011

Eine französisch-amerikanische Gemeinschaftsproduktion von bücherelfe und Bri

Eine Romanbiographie erobert uns im Sturm.

Hadley Richardson war die erste Frau von Ernest Hemingway. Auf Grundlage schon bestehender Biografien und authentischer Briefwechsel, verwoben mit Fiktion hat die amerikanische Autorin Paula McLain eine hinreißende Romanbiographie gewoben. Erzählt wird die Geschichte aus Hadley’s Sicht. Kurz nach dem ersten Weltkrieg lernen sich die beiden in Chicago kennen und lieben. Die Briefe, die sie sich schreiben, gehen ohne Umwege unter die Haut und machen klar, warum Hemingway einer der stahlendsten Sterne am Literaturhimmel wurde.

„Du bist im Zug, und ich bin hier, und alles ist leerer, seit du weg bist. Sag mir, gibt es dich wirklich“

Bald darauf zieht das Paar nach Paris und mischt sich unter die Bohèmiens. Geld ist ein knappes Gut und die erste Bleibe ist ein wahres Loch.

„Es war schmutzig und prachtvoll, voller Ratten und Rosskastanienblüten und Poesie“.

Beinahe besessen arbeitet Hemingway daran, seine sprudelnden Gedanken zu Papier zu bringen, während Hadley sich um den vergleichsweise profanen Alltag kümmert. Ein Sohn kommt zur Welt. Bei Hem stellen sich erste Erfolge ein. Hadley, die etwas älter als Hem ist, wirkt wie ein Ruhepol. Sie ist einerseits voller Angst, den Künstler zu sehr einzuschränken, andererseits zeigt sie ihm deutlich, dass sie nur eines will: Ihn für sich. Eine Verbindung, die so nicht funktionieren kann. In einer Zeit, in der Frauen erst beginnen, auf eigenen Füßen zu stehen, ist Hadley eher noch der Typ Frau, der nicht so recht etwas eigenes für sich beansprucht.

Ihre Angst vor Verlust ist deutlich spürbar und doch ist sie voller Vertrauen zu ihm. Hem ist ein schöner Mann, mit Schlag bei den Frauen und dennoch braucht er seine Hadley, um das zu werden, was er einmal sein wird: einer der größten amerikanischen Schriftsteller Amerikas und Nobelpreisträger für Literatur.

„Nimmst Du mich mit Hash? Kommst du nun endlich und gibst mir was von dem todsicheren Zeug, das Du bist?“

Wer kennt sie nicht, die Geschichte über Hems erste Ehefrau, die auf der Fahrt zu ihm all seine Manuskripte (auch die Kopien) im Zug liegen lässt – sie werden gestohlen und sind für immer verloren. Ein Schlag, den Hem nach Meinung vieler nie so ganz verkraftet und der auch für die Entzweiung zwischen ihm und Hadley verantwortlich gemacht wird. Paula McLain hat hierfür eine andere Lesart, die der Gertrude Stein: Hätte Hadley die Manuskripte nicht verloren, wäre Hem nie der geworden, der er später war. Sie gab ihm die Möglichkeit eines Neuanfangs, den er optimal genutzt hat. Ein Dank an McLain für die Rehabilitierung der Frau, die mehr war als nur Hemingways erste.

Madame Hemingway hat uns mit seiner betörend schönen Sprache mehr als unterhalten und bewegt. Eine Liebesgeschichte der ganz besonderen Art mit einer Protagonistin, die sich in unsere Herzen geschlichen hat und einem facettenreichen Ernest Hemingway. Wir werden Paula McLain auf jeden Fall im Auge behalten.

Fazit: Unbedingt lesen! Ein MUSS.

Für weitere Infos zu diesem Titel geht es hier lang.

Ein Interview mit der Autorin:

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Responses

  1. Ihr zwei seid ein wunderbar fruchtbares Team 😉

    • Danke! Fruchten macht mit dem Elfchen wirklich Spaß!!

  2. Absolute Zustimmung! http://buecherwurmloch.wordpress.com/2011/09/21/paula-mclain-madame-hemingway/

    • Danke – das freut sehr! Vor allem für das Buch *gg*


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