Verfasst von: Bri | 2. August 2011

Rockbares Leben

LIFE – und was für eines! Keith rockt … und zwar im wahrsten Sinn des Wortes. Hier zeigt sich ein solches Beispiel an Authentizität, dass ich nur sagen kann: Chapeau Keef!

Ich weiß nicht, ob wirklich alles, was Keith Richards in seiner über 700 Seiten langen Biographie erzählt, sich tatsächlich so zugetragen hat, aber das ist auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass ich das erste Mal ein wiklich nachvollziehbares, lebenspralles Bild der Musikszene der anfänglichen 60er Jahre in England geboten bekommen habe, das jetzt seine Spuren bei mir hinterlässt. Zum einen kann ich jetzt nachvollziehen, wie sich viele junge Menschen damals gefühlt haben müssen und weshalb die Stones so einen schnellen und einschlagenden Erfolg hatten. Zum anderen habe ich tatsächlich angefangen, mir die Songs von damals zum ersten Mal richtig anzuhören. Keine digital remasterten Geschichten, nein den Stones Sound von damals. Und der gefällt mir mehr als gut.

Auch ich hatte ein bestimmtes Bild von Keef – drogenabhängig, verpeilt, nicht ganz auf der Höhe … doch das hat sich komplett geändert. LIFE zeigt einen authentischen jungen Mann, der nichts weiter will, als Musik zu machen. Seine Musik. Die der meist schwarzen Bluesgrößen – die auch in hohem Alter noch auf der Bühne stehen dürfen, ohne dass jemand danach fragt, wann die „alten Säcke“ endlich abtreten.

Mehr oder weniger zufälllig findet er Gleichgesinnte und die Rolling Stones werden geboren. In kürzester Zeit absolvieren die Jungs ein Wahnsinnsprogramm an Auftritten und beginnen nebenher mit dem Schreiben eigener Lieder. Die Glimmertwins Mick und Keith entpuppen sich als kongeniales Duo, was Komposition und Text angeht und so rollt die Band unaufhaltsam dem Ruhm entgegen.

Die USA bezeichnen die Stones als „gefährlichste Rockband der Welt“ und wollen sie nicht mehr einreisen lassen. In Berlin wird die Waldbühne nach einem Auftritt der Stones komplett zerlegt. Die Band polarisiert. Die Jungen lieben sie. Die Obrigkeit erkennt das revolutionäre Potenzial und versucht es einzugrenzen. Doch die Stones lassen sich nicht aufhalten.

Sie leben in verschiedenen Ländern. Sind immer on tour – ob privat oder mit der Band. Langweilig wird es da für niemanden. Keef entpuppt sich als Workaholic. Mick übernimmt das Organisatorische in einer Zeit, in der Keef es nicht kann, weil er absolut heroinabhängig ist. Es gibt Probleme wegen Frau(en) – aber in welcher Rockband gibts das nicht?

Die tatsächliche Zerreißprobe zwischen den Glimmertwins wird aber erst der Schritt Keefs in die Unabhänigkeit. Erst als er vom Heroin loskommt (und das ist nun über 30 Jahre her) wird für ihn deutlich, dass Mick die Stones als „seine“ Band ansieht …

Aber die Stones sind eben nicht alles. Sondern die Musik ist es. Und dabei kann man auch mit anderen Musikern Spaß haben. Das hatte und hat Keith auch heute noch. Auch davon erzählt er in LIFE – denn es ist die Geschichte seines Lebens, nicht nur die der Stones.

Aus dem authentischen jungen Musikverrückten ist ein im Geiste  immer noch junger, weiterhin kompromissloser und authentischer, vom Leben als Rockstar und den Drogen gezeichneter Mann geworden, der nichts schönt, was er oder andere getan haben. Denn so war es einfach, das Leben damals.

Ein Muss für jeden der irgendwas mit den Stones verbindet und ein Muss für Menschen, die ebenso Musikverrückt und Gitarrenbesessen sind wie Keef. Lasst euch darauf ein und ihr werdet mitgenommen in eine stürmische Zeit.

“ This ist the Life. Believe it or not I haven’t forgotten any of it. Thanks and praises „

©BvF

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Responses

  1. Höchst verlockende Rezension; was bin ich froh, dass der Keith schon im Elfenregal steht … 🙂

  2. das ist auch gut so … gehört in jeden rockbaren Haushalt …


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