Verfasst von: Bri | 6. Mai 2011

Blumen sagen mehr …

Anfang des 18. Jahrhunderts kam es in Europa immer mehr in Mode, sich Botschaften durch ein neues Medium zu übermitteln: Blumen. Jede einzelne Blume hat ihre Bedeutung, abhängig von der Farbe, kann diese sich verändern. Eine interessante Spielart der zwischenmenschlichen Kommunikation – wenn man diese Sprache spricht und versteht.

Auch heute gibt es noch viele Menschen, die sich mit dieser Art der Kommunikation beschäftigen. Elizabeth ist so jemand, der mit dieser Sprache sehr vertraut ist. Sie ist aber auch die letzte Chance Victorias auf so etwas wie Familie. Victoria wird seit ihrer Geburt von Pflegefamilie zu Pflegefamilie gereicht, weil Meredith, die sich von Amts wegen um Victoria kümmert, alle Möglichkeiten ausreizen will, das Kind vor dem Heim zu bewahren und es immer wieder mit neuen Familien versucht. Nur leider ist Victoria kein Glück beschieden, was die Auswahl der Familien betrifft. Bis sie zu Elizabeth kommt.

Noch nie um ihrerselbstwillen geliebt, kann Victoria nicht verstehen, warum Elizabeth sie bei sich behalten will und reagiert auf deren Versuche, ihr ein Zuhause zu bieten, zunächst verstockt bis bösartig. Aber was kann man schon von einem fast zehnjährigen Kind erwarten, das ohne LIebe, Vertrauen, Akzeptanz und Respekt leben musste und immer nur herumgeschubst wurde? Angstgesteuerte Abwehrmechanismen bis hin zu körperlichem Unwohlsein bei Berührung – so reagiert Victoria.

Doch Elizabeth schafft es mit Hartnäckigkeit, gutem Willen, Liebe und der Sprache der Blumen, sich zu dem kleinen Mädchen durchzukämpfen. Bis zu dem Tag, an dem der Gerichtstermin zur Verhandlung der Adoption Victorias durch Elizabeth ansteht ….

Victoria erzählt ihre Geschichte in zwei Handlungssträngen selbst.Der eine Strang weiht den Leser in die Vergangenheit und die Erlebnisse der kleinen Victoria bis hin zu ihrem 18 Geburtstag – dem Tag, an dem sie aus dem Heim in die Selbstverantwortung entlassen wird – ein. Der zweite Strang beginnt mit Victorias 18. Geburtstag und lässt den Leser die weiteren Entwicklung hautnah miterleben.
Die einzelnen Kapitel sind passenderweise mit Blumen und deren Bedeutung überschrieben. Blumen, die die aktuelle Situation Victorias widerspiegeln.
Besonders schön und immer wieder zum Nachschlagen einladend ist Victorias Lexikon der Sprache der Blumen am Ende des Buches. Darin lässt sich vor, während und nach dem Lesen genussvoll blättern. Alleine das stellt einen gewissen Mehrwert des Buches dem Hörbuch gegenüber dar.
Unglücklich gewählt ist allerdings das Cover – es spiegelt den Inhalt nicht wirklich wider. Für all die im Buch vorhandene Emotionalität  ist es eindeutig zu kühl gestaltet. In der Buchhandlung wäre das Buch links liegen geblieben, hätte ich den Inhalt oder die Leseprobe nicht bereits gekannt.

Victorias Geschichte ist zweifellos fesselnd, die Charaktere nicht unsympathisch und dennoch gibt es Stellen, die Vanessa Diffenbaugh nicht ganz gelungen sind. Sie wirken hölzern, unglaubwürdig, unbedacht. Aber „Die verborgene Sprache der Blumen“ ist ein Erstling und wer weiß, was der Autorin in Zukunft noch einfallen wird.

Eines hat sich in der Leserunde sehr deutlich gezeigt: kaum ein Leser / eine Leserin konnte sich der neu erschlossenen Sprache entziehen. Ob die Bedeutungen der Blumen bei uns allen wirklich ins Zentrum der Aufmerksamkeit  gerückt sind, wage ich zu bezweifeln, Blumen an und für sich sind es wohl schon – und  das wegen Sätzen wie diesen:

„Wenn es stimmte, dass Moos keine Wurzeln hatte  und dass Mutterliebe einfach so und wie aus dem Nichts entstand (…) konnten die Bindungslosen, die Zurückgewiesenen und die Ungeliebten ebenso wachsen und großzügig Liebe verschenken wie jeder andere auch.
(Seite 393)

Infos zum Buch:
ISBN 9783426199046, Fester Einband, 416 Seiten, Zeitgenössische Literatur, erschienen am 14.03.2011 bei Droemer/Knaur
€ 19,99

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