Verfasst von: Bri | 15. Februar 2015

Fügung oder geheime Machenschaften?

SapnaEs gibt Momente, in denen man sich überlegt, was wäre, wenn man DIE CHANCE des Lebens angeboten bekommt und sie … ergreift oder verstreichen lässt. Dazu muss man natürlich auch wissen, was für jeden persönlich die Chance des Lebens ist. Der Traumjob, den man schon so lange haben möchte, das hohe Einkommen, das nötig ist, um sich materielle Träume erfüllen zu können? Oder etwas völlig anderes? Darauf hat wohl jeder Einzelne seine eigene Antwort, die auch von den allgemeinen Lebensumständen abhängen mag.

Sapna ist eine junge Inderin, deren Antwort auf die Frage nach der Chance des Lebens sicherlich anders ausfallen würde, als meine eigene, lebe ich doch in einer Welt, in der Frauen einen anderen Stand haben, als in Indien, auch wenn noch viel daran gearbeitet werden muss, eine Gleichberechtigung von Frauen und Männern gleichermaßen herbeizuführen.

Sapna zeigt sich die Chance ihres Lebens, als sie von einem fremden Mann angesprochen wird, der ihr die Leitung seines Unternehmens als Geschäftsführerin anbietet. Für die junge Frau, die zur Familienernährerin wurde, nachdem sie Schwester und Vater verloren hatte, ist das ein Angebot, dass sie eigentlich nicht ausschlagen sollte. Allerdings ist das Angebot mit der Bedingung verknüpft, sieben Prüfungen bestehen zu müssen, von denen Sappna weder Inhalt noch Zeitpunkt, wann sie durchgeführt werden, kennt und weil ihr dieses Angebot doch sehr merkwürdig vorkommt, lässt sich Sapna (zunächst) nicht darauf ein …

Sicherlich gibt es Dinge, die immer genau dann passieren, wenn man zwar nicht darauf vorbereitet ist, ihre Auswirkungen aber durchaus willkommen heißt. Manche nennen es Schicksal, andere Fügung, wieder andere Synchronizitäten. Doch was Vikas Swarup in seinem aus 7 Kapiteln bestehenden Roman zusammenstellt grenzt teilweise an ein Märchen. So viele Fügungen, bei denen auch noch andere Menschen involviert sind und immer gerade dann auftauchen, wenn Sapna sie am dringendsten braucht … das wirkt nicht gerade sehr lebensecht. Spannung erzeugt es aber alle Mal.

Swarups Figuren sind auf den ersten Blick klar umrissen – haben aber alle ihre Geheimnisse. Wie im richtigen Leben. So ergibt sich hier mindestens eine zweite Ebene hinter dem Offensichtlichen und es wird bei der Lektüre langsam klar, dass es einen Strippenzieher im Hintergrund geben muss. Nur wer das sein könnte, bleibt längere Zeit verborgen.
Die Prüfungen, die Sapna bestehen muss sind mehr als nur außergewöhnlich, sie sind hart, betreffen sie nicht nur ihre eigene Person, sondern etliche Menschen, die sie kennt und mag. Außerdem gehen Sie im sprichwörtlichen Sinn an die Nieren. Manchmal ein wenig zu sehr, denn solche Prüfungen wünscht man niemandem, ganz gleich, wie sie enden mögen.
Dennoch enthält der Roman einige fabel- oder märchenhafte Momente, die durchaus ihren Reiz versprühen, jedoch nicht darüber hinwegtäuschen können, dass die ganze Geschichte an einigen Stellen doch stark konstruiert wirkt. Nichts desto trotz: Lässt man sich auf das Abenteuer ein und begleitet Sapna auf ihrem Weg der Prüfungen, kann es durchaus mitreißen.

Die weiteren Informationen zum Buch findet ihr wie immer auf der Verlagsseite und die Antwort auf die Frage, was wäre DIE CHANCE eures Lebens – die müsst ihr euch selbst geben.

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Verfasst von: Bri | 6. August 2014

Schluss mit Verdrängung

Energieerzeugung ist heute ein großes, zum Teil stark subventioniertes Geschäft, vor allem für Konzerne. Strom wird zu jeder Tages- und Nachtzeit in großen Mengen benötigt, um unser Leben, so wie wir es gewohnt sind, am Laufen zu halten. Die Strommenge, die täglich verbraucht wird, wird trotz der in vielen Haushalten bereits eingesetzten hocheffizienten Geräte nicht weniger.

Die Industrie benötigt den Lebenssaft für ihre Maschinen in rauen Mengen und um diese Industriezweige im Land zu halten, Steuereinnahmen nicht zu verlieren und Arbeitsplätze zu sichern – wie uns die Politik immer angst machend unter die Nase reibt, was passieren würde, wenn die Firmen mehr für ihren Verbrauch zahlten, als bisher – erhalten gerade die Unternehmen, die viel Energie verbrauchen, diese zu günstigen Preisen. Nicht wer Strom „spart“ bzw. nicht verbraucht wird finanziell entlastet, ganz im Gegenteil.

Energiewende

Nach wie vor wird die Energieerzeugung mit fossilen Brennstoffen als unverzichtbar gehalten und gefördert. Brennstoffe, die nur noch sehr begrenzt existieren und unter nicht unerheblichem Aufwand gefördert werden müssen. In Brandenburg werden zum Beispiel ganze Dörfer umgesiedelt, um den Braunkohle-Tagebau, der die Gegend in eine Mondlandschaft verwandeln wird, möglich zu machen. Ob die Vorkommen dieses Vorgehen rechtfertigen, steht nicht zur Debatte. Es wird getan, weil man es kann. Der Preis verödeter Landschaften und entwurzelter Menschen wird einfach hingenommen, denn die dieses Vorgehen entscheiden, sie sind davon ja nicht betroffen.

Atomstrom ist trotz der äußerst aufwändigen Erzeugung, hinlänglich bekannter Schwierigkeiten der „Müllentsorgung“ und der Tatsache, dass Unfälle in Atomkraftwerken schreckliche, in keinster Weise handelbare Folgen nach sich ziehen, auf dem Markt zu billigen preisen zu haben. Grund dafür sind die staatlichen Subventionen, von denen die meisten Verbraucher nichts ahnen.

Erst schlimme Katastrophen von globalem Ausmaß und jahrhundertelang anhaltende Schäden der Umwelt – wie in Fukushima – lassen die Menschen aufhorchen. Für kurze Zeit. Denn eines gelingt uns immer besser: ein Verhalten an den Tag zu legen, das seit Beginn des 20. Jahrhunderts in der Psychologie als Verdrängung bekannt ist. Solange wir nicht selbst direkt betroffen sind, leugnen wir die offensichtlichsten Dinge, wie z. Bsp. die Alternativlosigkeit eines globalen Umdenkens und des damit zusammenhängenden Wandels des eigenen Handelns hinsichtlich einer notwendigen Energiewende.


Energiewende so kurz wie deutlich nennt Roger Hackstock sein fundiertes, plausibel informativ und komplexe Zusammenhänge nachvollziehbar machendes Buch über genau dieses Thema. Man merkt sofort: Dieser Mann weiß, wovon er spricht und kann es zudem klar verständlich transportieren. Nach der Lektüre dieses Buches, das nicht nur den Status quo beschreibt, sondern Mut machende Strategien für die Durchführung der notwendigen Energiewende aufzeigt, fällt es schwer, die unangenehmen Tatsachen zum Klimawandel, zur Knappheit fossiler Brennstoffe, zu den nicht handelbaren Risiken der Atomenergie weiterhin zu verdrängen. Auf der anderen Seite wird klar, wer sich nicht unabhängig macht von der Verwendung fossiler Brennstoffe, macht sich gleichzeitig extrem abhängig von geopolitischen Gegebenheiten.

Das beste Beispiel dafür zeigt sich derzeit in dem drohenden Krieg zwischen Russland und der Ukraine, der die Versorgung mit Erdgas aus den dortigen großen Vorkommen nur allzu schnell unmöglich machen würde.

Kriege werden heute nicht mehr um Territorien geführt, sondern um Rohstoffe zu sichern, die dem Erhalt des Lebensstandards und des westlichen Konsums dienen sollen.

All das entlarvt Hackstock mit viel Kenntnis der Sachlage und gleichzeitig lockerer Feder. Was dabei besonders ins Auge fällt, ist sein Anliegen, uns keine Angst zu machen, sondern uns einfach auf die einzig mögliche Richtung hinzuweisen, die wir gehen müssen: weg von den fossilen Brennstoffen, hin zu regenerativen Energien.

Ganz unaufgeregt räumt er auf mit dem Irrglauben, wir wären als Verbraucher ohnmächtig; er erzählt von den Pionieren der Erforschung regenerativer Energien und den Möglichkeiten, die jeder und jede Einzelne von uns tatsächlich hat.  Das macht Mut und gibt ordentlich Schwung, die eigenen Einstellungen zu überprüfen. Vor allem aber entlarvt er durch Fakten und Wissen die angst machende Taktik von Regierungen und Konzernen, die uns nach wie vor weismachen wollen, dass wir unseren Strombedarf nur auf die derzeitige Weise decken können, anstelle das Notwendige und einzig Richtige zu tun: DieErforschung verbesserter Speicherkapazitäten und denweiteren Ausbau der regenerativen Energien voranzutreiben.

Ein wichtiges, fundiertes, informatives Buch, das mit vielen falschen Annahmen aufräumt.

Einfach lesen!

Informationen zu Buch und Autor wie immer auf der Verlagsseite und zum Thema auf dem lesenswerten Energieblog von Roger Hackstock.

Verfasst von: Bri | 4. Juli 2014

Warten auf Godot

Toni Mahoni, seines Zeichens Berliner Videoblogger hat sich zum zweiten Mal auf die Bühne der Literatur gewagt. Und gleich die Hauptrolle in der Geschichte übernommen, die sich dem Klappentext nach zu urteilen, zu einem wirklich schrägen und unterhaltsamen Road-Movie entwickeln könnte. Klar, wer könnte Mahoni besser spielen als Mahoni selbst – ein Chameo Auftritt im eigenen Kopfkino sozusagen.

Die Schwierigkeit hierbei ist, dass der geneigte Leser häufig versucht ist, die reale Kunstfigur Toni Mahoni mit der fiktiven Romanfigur Toni Mahoni gleichzusetzen – und zusätzlich fragt man sich: wieviel vom echten Toni Mahoni, dessen wahren Namen nur Eingeweihte kennen, steckt in den beiden anderen. Und an dieser Stelle wurde es schwierig, zumindest für mich. Der Roman-Mahoni ist nämlich nicht gerade das, was man einen Macher nennt, obwohl diese Eigenschaft im Setting des Romans durchaus willkommen wäre und, nebenbei bemerkt, dem Fortgang und damit der Lesefreude einen gewaltigen Schubs mitgäbe.                                                                                                                                                                      mahonsen

Aber steigen wir doch am Anfang der Ereignisse ein: es muss sich etwas ändern im Leben des Toni Mahoni. So denkt nicht er selbst, sondern seine aktuelle Freundin Peggy, die diese Änderung auch gleich vollzieht. Denn eines ist ihr klar: Toni wird sich so schnell nicht bewegen. Er fühlt sich wohl in seiner Haut als ewiger „Berufsjugendlicher“. Wohlig eingesponnen in ein Netz von Bequemlichkeiten und bedingungslosen Freundschaften. Dass Peggy ihn nicht wirklich wegen seines wachsenden (Bier-)Bauches verlässt, sondern wegen seiner allzu sorglosen Art, in den Tag hinein zu leben, kein echtes Ziel zu haben, das versteht er bis zuletzt nicht.

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Verfasst von: Bri | 14. Juni 2014

Elf … oder mehr … Freunde müsst ihr sein

Großereignisse werfen ihre Schatten voraus – es ist wieder soweit, das Leder rollt und das Runde will ins Eckige. Wie das Ganze ausgehen wird, weiß im besten Falle keiner – oder vielleicht doch?

Wie wir wissen ist die Geschichte des Fußballs in Europa und der Welt voll von Ereignissen, die durch vielfältige Manipulationen den Ausgang nicht nur einzelner Spiele entschieden haben.

 

Auch in Italien 1934. Der Duce, Benito Mussolini selbst, hat alles daran gesetzt, die Fußballweltmeisterschaft ins Land zu holen. Aber das alleine genügt ihm nicht, Italien soll der Welt voran stehen. Auch im Fußball. Überall soll die Überlegenheit des italienischen System aufscheinen – Rom will siegen und nach Möglichkeit durch die vorausgeplanten Endstände der Spiele die Kosten, die für Stadien und Bestechungsgelder ausgegeben werden mussten, wieder wett machen. Die italienische Bevölkerung selbst steht dem ganzen Treiben nicht so leidenschaftlich gegenüber. Die Eintrittskarten für die Spiele sind teuer, die Steuern werden erhöht, um die Kosten wieder auszugleichen und die Squadra Azzurra ist zudem nicht unbedingt der absolute Favorit für den Meistertitel

Irgendwie kommt einem das doch sehr aktuell und vertraut vor.

                                                                                                                                                                                        Piagnolia

Brasilien, der Ausrichter der Fußballweltmeisterschaft 2014, zahlt einen hohen Preis dafür, Gastgeberland dieses Turniers zu sein und möchte sicherlich gerne selbst den Titel holen. Die brasilianischen Fußballer fiebern den ersten Spielen ebenso entgegen, wie die anderen Mannschaften. Anders als ihre Mitbürger, die nur sehen, was diese WM die Gemeinschaft kostet: Anstelle von dringend benötigten Krankenhäusern und Bildungsstätten werden für immense Kosten Stadien an Orten errichtet, an denen normalerweise kaum Fußball gespielt wird. Indigene Einwohner werden zwangsumgesiedelt, Demonstranten, die um einen Boykott der WM bitten mit Gefängnis bedroht. All das sind Geschehnisse, die der durchschnittliche Fußballfan nicht wahrnehmen möchte. Will er doch an die Reinheit des Spiels und dessen Ausgangs glauben. Welche Schiebereien im Hintergrund geschehen … davor möchte er am liebsten die Augen verschließen und sich von den Alltagsnöten ablenken lassen. Ein Fußballfest genießen.

 

Außerdem hält man sich in Italien – um ganz besonders in Piagnolia – gerne unabhängig von Obrigkeiten. Was geht einen die Partei, was geht einen Rom an, wenn man im Dorf doch einfach mit Gemeinschaftssinn gut über die Runden kommt. Man hilft sich gegenseitig und bleibt lieber unbemerkt, so unbemerkt, dass die Steuern, die eigentlich abgeführt werden müssten das eben nicht werden. Das hilft den Großgrundbesitzern, damit der Gemeinde und letztendlich dem Gemeinwohl aller Bürger Piagnolias. Agostino, der allseits beliebte Bürgermeister, versteht es geschickt, diese Tatsache weder in Rom noch sonst wo ruchbar zu machen.

 

Aber niemand hat damit gerechnet, dass ein lange verloren geglaubter Sohn Piagnolias den Weg in sein Heimatdorf zurückfindet – mit dabei hat er einen Koffer voller Geld. Geld, dass ihm nicht gehört.

Gleichzeitig erfährt der Unterhändler der faschistischen Partei, der damit betraut ist, die Übergabe eines mit Geld gefüllten Koffers an Funktionäre des griechischen Fußballverbandes zu überreichen ein wahres Fiasko. Der Koffer ist leer, bzw. mit Zeitungen befüllt, vom Geld fehlt jede Spur …

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Verfasst von: Bri | 15. April 2014

Zweite Chancen

Whaley_24507_MR.inddFür manche mag der Ort in Arkansas, der den schönen Namen Lily trägt, das Ende der Welt sein. Für andere ist es der Ort wo alles wiederkehrt.

Tatsache aber ist: Viele Menschen, die es einst wegzog von Lily, kommen zurück – so wie eine, seit Ende der 40er Jahre ausgestorben geglaubte Spechtart. Mit der Rückkehr des Lazarus-Spechtes kommt neuer Wind in der Kleinstadt auf. Der Tourismus entwickelt sich, allerlei Veranstaltungen im Namen des Lazarus-Spechtes werden veranstaltet, um das doch etwas eintönige Leben bunter zu gestalten. Nicht zuletzt die Medien werden von kaum einem anderen Thema beherrscht, als von dieser Rückkehr.

Cullen Witter, seine Eltern und gemeinsame Freunde hingegen warten auf eine ganz andere Rückkehr: Gabriel, Cullens jüngerer Bruder ist ohne Vorzeichen und spurlos verschwunden. Was zunächst auch für die Stadt wichtig ist, wird neben der großartigen biologischen Sensation langsam zum Hintergrundgeräusch. Je länger Gabriel vermisst wird, desto weniger spricht man über sein unverständliches Verschwinden.

Über (erzählerische) Monate hinweg habe ich mit erlebt, was es heißt, wenn ein geliebter Mensch wie vom Erdboden verschluckt scheint. Kein Zeichen eines freiwilligen Verschwindens. Ein spurloses Auflösen ist es, was hier passiert und Familie und Freunde ratlos zurücklässt. Da heißt es, die Hoffnung nicht verlieren und weiterglauben an diese Rückkehr. Vor allem Lucas Cader, der beste Freund Cullens kann und will die Hoffnung nicht aufgeben und untertstützt die Familie physisch und moralisch. Der Lazarus-Specht wird so etwas wie ein Symbol für das Durchhalten: Wenn eine ausgestorbene Spechtart nach Jahrzehnten wieder gesichtet werden kann, ist eben alles möglich …

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Verfasst von: Bri | 6. April 2014

Von Dämonen im Glas und anderen Begebenheiten

Paul Clément ist Arzt und etwas gelangweilt, als er im Jahr 1872 eine Assistenzstelle auf den französischen Antillen angeboten bekommt. Der Reiz der exotischen Landschaften und die Vorstellung, seltene Krankheiten kennen und heilen zu lernen, lassen ihn das Angebot zügig ergreifen.

Auf der Insel Saint-Sébastien kommt er mit merkwürdigen Vorgängen in Kontakt. Geheimnisvolle Zeichen vom einheimischen Priester, dem Bokor, beschworen, um bestimmte Geister herbeizurufen. Lebende Tote, Auferstandene, die wie Zombies durch den Urwald irren. Der Bokor und seine Meute, die ihnen Einhalt gebieten. Gruselmomente im Paradies, die der junge Arzt hautnah miterlebt. Ein Schweigegelübde wird ihm unter Androhung des Todes bei Schwurbruch auferlegt. Er ist sich sicher, dass er bis in sein Grab über die verstörenden Erlebnisse schweigen wird.

Die Schwelle von FR TallisZurück in Paris versucht er, das Erlebte zu vergessen und wirft sich komplett in seine Arbeit als Mediziner. Vor allem die neuesten Erkenntnisse über Nahtod-Erfahrungen, die man durch die größtenteils noch in den Kinderschuhen steckenden neuen Reanimationsmethoden berichtet bekommt, faszinieren ihn. Die Kenntnisse, die er im Urwald über gewisse Substanzen erworben hat, nutzt er nun, um die Schwelle selbst zu überschreiten. Doch vorher tut er genau das, was er auf alle Fälle hätte vermeiden sollen: Er bricht sein Schweigegelübde …

Damit ist der Grundstein gelegt für eine Geschichte, die sich zwischen allen Stühlen bewegt: Mal absolut fundiert historisch, dann wieder schwarz magisch, Opium geschwängert dämonisch oder christlich-heilsbringend. Sehr gut recherchierte Fakten in den Bereichen der Kunst, der Architektur, der Medizin und Psychologie bilden eine solide Basis für einen Roman zwischen Wahnsinn und Wirklichkeit. Das allerdings schafft keine wahren Spannungsbögen. Stilistisch und handwerklich auf hohem Niveau, schafft F. R. Tallis es leider nicht, sein großes Wissen in Spannung zu transformieren.

Einige teilweise etwas reißerische Höhepunkte der besonderen Art bilden lediglich kurze Spitzen zwischen der ansonsten gemächlich dahinfließenden Handlung. Unterhaltung wird geboten, doch „Grusel und Hochspannung im Überfluß“ wie der Klappentext es verspricht, ist nicht zu finden.

Die Schwelle ist auch dank seiner plastisch beschriebenen Handlungsorte ein sehr gut recherchierter, fundiert aufgebauter historische Roman mit kurzen Ausflügen ins Übersinnlich – Dämonische, der eines nicht schafft: Die Grenze zur Spannungsliteratur tatsächlich zu überschreiten.

 

Wer sich einen eigenen Eindruck verschaffen möchte, kann dies wie immer zunächst auf der Verlagsseite tun.

Lachen verbindet und überwindet Grenzen – menschliche und kulturelle. Gemeinsames Lachen kann aus fremden Menschen so etwas wie eine Familie machen, das hat wohl jeder von uns schon einmal erlebt.

Und obwohl das so ist, gibt es Kräfte, die dagegen sind, dass Menschen gemeinsam lachen und glücklich sind – oder vielleicht gerade deshalb?                                              Funny girl

Azime ist 20 Jahre jung, im Norden Londons wohnende Kurdin und mit ihrem Leben – und dem einiger ihrer Freundinnen – nicht ganz glücklich.

Ihre beste Freundin ist bereits verheiratet – mit Anfang 20 in diesen kulturellen Kreisen grade zur rechten Zeit. Sie liebt ihren Mann, obwohl es eine arrangierte Ehe ist, doch der ist über die Maßen eifersüchtig.

Eine andere Freundin ist erst vor kurzem – im selben Alter wie Azime – zu Grabe getragen worden. Noch am Grab werden Mordvorwürfe laut und das gegen die Familie des Mädchens …

Über die Familie mit den alten Traditionen verwurzelt, fällt es schwer, in einer anderen Kultur zu leben. Das erleben wir Tag für Tag bei Freunden und Mitbürgern. Es zieht Menschen nicht ohne Grund aus ihrer Heimat fort – seien es politische oder andere Beweggründe. Häufig ist es die Enge der eigenen Kultur, der Wunsch ein freieres, besseres Leben zumindest für die nächste Generation zu erreichen. Erstaunlicherweise setzen sich aber gerade dann in der neuen, vermeintlich freieren Heimat die alten Traditionen stärker durch als gedacht. Vielleicht ist es so etwas wie Trost, den man sucht, wenn man sich nicht wirklich willkommen fühlt. Trost und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, die man nur mit Menschen empfinden kann, die einen ähnlichen Hintergrund, ähnliche Träume und Vorstellungen haben.

Durch was kann man es schaffen, diese beginnende Abspaltung, dieses Abgrenzen aufzubrechen? Durch Verständnis? Doch wie kommt man in Kontakt mit dem, das ein ganzanderes Leben bedeutet? Durch Bücher, durch Filme und durch Witze, die die eigene Lebenswelt karikieren, Unverständliches etwas erträglicher machen.

Azime verspürt ganz deutlich den Wunsch, ihre eigenen Gedanken, die westlich geprägt und damit für sie nicht immer einfach durchzusetzen sind, anderen mitzuteilen. Von ihrem besten Freund eingeladen, gerät sie in einen Comedy-Kurs und entdeckt dort ihre wahre Leidenschaft. Menschen nicht nur ihre Kultur näher zubringen, sondern gemeinsam die gegenseitigen Berührungsängste einfach weg zu lachen.

Doch wie weit kann sie gehen, ohne den Zorn ihrer religiösen Gemeinschaft auf sich zu ziehen und ihre Familie zu verletzen? Ist es nicht schon genug, die erste junge muslime Stand-Up-Comedian zu sein? Muss es tatsächlich noch die Burka sein, die sie privat nie trägt?.

Azime lässt sich von ihrer Intuition leiten und hat Erfolg. Am besten klappt das, wenn sie authentisch ist, aus ihrem eigenen Leben erzählt – denn die Menschen merken, dass sie sich nicht wirklich so sehr von ihr unterscheiden, gar nicht so fremd sind wie gedacht.

Anthony McCarten packt in seinem Roman Funny girl“ ein heißes Eisen an, das schon so manchen in Bedrängnis geraten ließ. Darf man Witze über kulturelle Werte oder Religionsgemeinschaften machen, auch wenn man sich selbst zugehörig fühlt?

„ … Missbraucht nicht euer Recht auf Redefreiheit, dazu ist es zu hart erkämpft. Wählt eure Zielscheibe sorgfältig aus. Attackiert die Bösen. … Wir brauchen alle Guten, die wir finden können. Aber habt keine Angst davor, die Wahrheit zu sagen, ganz gleich, wohin sie euch führt. …“ (S. 77)

Auf einer Bühne auszusprechen, wovor viele Menschen Angst haben und diese Ängste durch ein gemeinsames Lachen einfach verpuffen zu lassen ist etwas sehr Positives, besitzt sogar eine überbrückende, heilende Kraft.Missstände auf menschlicher Ebene öffentlich anzuprangern, indem man sie überspitzt darstellt braucht mutige Menschen und eine Portion Wut.

McCartens Azime ist ein mutiger und etwas wütender Mensch. Sie lässt sich nicht einschüchtern – aus welcher Richtung die Versuche, sie zum schweigen zu bringen auch kommen – und dafür wird sie belohnt. Sie hat die Lacher auf ihrer Seite.

Funny girl merkt man deutlich an, dass Anthony McCarten einen Wunsch hat, man könnte es auch eine Mission nennen: Menschen ein kleines Stück näher zueinander zu bringen, Ängste und Vorurteile auszuräumen, Verständnis zu schaffen. In einer Welt, die für den Einzelnen immer unübersichtlicher und gleichzeitig enger wird, immer mehr Informationen bereithält, die verarbeitet werden müssen wird dieses Verständnis immer wichtiger. Umso schöner, wenn es sich durch Spaß und Witz auf so angenehme Weise erreichen lässt.

Das Ticket für die Comedy-Show bekommt ihr wie immer beim Buchhändler eures Vertrauens – wer vorher ins Programm sehen will kann das auf der Verlagsseite tun.

Verfasst von: Bri | 10. März 2014

Der Mann in der Arena des Lebens

Aufgewachsen auf einer Farm im tiefsten Missouri, deren kargen Böden ein Auskommen abzuringen von Jahr zu Jahr schwieriger wurde, begann William Stoner 1910 im Alter von 19 Jahren ein Studium der Agrarwissenschaften. Wissen sollte er erlangen, um die Böden zu verbessern und den Eltern die Arbeit und damit ihr hartes Leben zu erleichtern.

Zunächst scheint der Plan aufzugehen. Das Studium fällt ihm leicht, obwohl er nebenbei noch hart für Kost und Logis bei entfernten Verwandten arbeiten muss. Doch dann muss Stoner ein Pflichtseminar zur Einführung in die englische Literatur absolvieren, das ihm schwerer fällt als alles zuvor und in dem er die Liebe seines Lebens trifft: die Liebe zur Sprache und zu dem, was sie auszudrucken vermag, ohne es zu sagen – den Bedeutungen und Gefühlen, die Literatur schaffen kann.                                                        stoner-9783423280150

Stoner wäre nicht er selbst, schlüge er seinen neuen Lebensweg ohne zu zögern ein. Seine Eltern zu enttäuschen und ihnen die Wahrheit zu sagen bringt er bis zum Abschluss seines Literaturstudiums nicht übers Herz. Nachdem es aber getan ist und sie ihn, zwar sichtbar erschöpft aber ohne offene Vorwürfe ziehen lassen, empfindet er eine starke Verbundenheit und Liebe zum Leben, die ihn nie verlassen werden. Auch in den schwersten Zeiten nicht. Denn eines gibt es in der Welt aus der er kommt und der er sich zugehörig fühlt nicht: Aufgabe.

John Williams ist mit Stoner – der bereits bei seinem Erscheinen im Jahr 1967 großen Erfolg hatte – ein wunderbarer Roman über ein nur scheinbar stilles und wenig ereignisreiches, aber dennoch bemerkenswertes, Leben gelungen. Dieser Erfolg setzt sich nach der Wiederentdeckung 2006 nicht nur in den USA fort.

Der Grund dafür liegt wohl genau darin, dass hier nicht von Reichtum, überbordendem Erfolg oder lebenslang währender Liebe zwischen zwei Menschen erzählt wird. Sondern von einem zwar durchaus klugen und beruflich anerkannten Menschen, der zwar nicht heiß umschwärmt aber beliebt, ein durchschnittliches Leben führt. Er ist der Mann, den Theodore Roosevelt in seiner 1910 gehaltenen Rede Citzizenship in a republic als wahren Helden zeichnet: der Mann, der Großes wagt, indem er sich in die Arena begibt, die Leben heißt. Zwar strauchelt und Fehler macht, aber immer wieder aufsteht, sich tapfer bemüht und so seinen Weg geht. Er wagt das Leben, genießt die Höhen zurückhaltend und zerbricht nicht an den Tiefen.Ein vollkommener Roman, der einfach und mühelos wirkt, der einen packt und nicht mehr loslässt. Die Figur des William Stoner wird mich noch lange begleiten, da bin ich mir sicher. Dieser Mann, der wie aus einer anderen Zeit wirkt, der manch einem Leser antiquiert oder langweilig vorkommen mag, hat sich meine höchste Achtung und Wertschätzung erworben – auch wenn er eine fiktive Person ist. Er hat mich verzaubert, ohne dass ich in Worte fassen kann, wodurch – allein durch sein Sein.

John Williams Sprache und Stil passen sich dem Leben William Stoners in der realen und in der Welt der Literatur unaufdringlich und perfekt an. Alleine das ist ein Meisterstück. Auch noch bald 50 Jahre nach seiner Entstehung wirkt dieses Buch tief berührend. Diese Zeitlosigkeit zu erreichen, das nenne ich wahre Kunst und Literatur.

Die Wiederentdeckung dieses grandiosen Romans ist ein Geschenk und sollte dankbar als solches entgegengenommen werden. Denn wer gewillt ist, Stoner zu erkennen und zu verstehen, der wird viel über das Leben und die Liebe lernen.

„ Als William Stoner jung war, hatte er die Liebe für einen vollkommenen Seinszustand gehalten, zu dem Zugang fand, wer Glück hatte. Als er erwachsen wurde, sagte er sich, die Liebe sei der Himmel einer falschen Religion, dem man mit belustigter Ungläubigkeit, vage vertrauter Verachtung und verlegener Sehnsucht entgegen sehen sollte. Nun begann er zu begreifen, dass die Liebe weder Gnade noch Illusion war; vielmehr hielt er sie für einen Akt der Menschwerdung, einen Zustand, den wir erschaffen und dem wir uns anpassen von Tag zu Tag, von Augenblick zu Augenblick durch Willenskraft, Klugheit und Herzensgüte. … „

Informationen zum Buch findet ihr auf der Verlagsseite und das Buch morgen beim Buchhändler eures Vertrauens.

Verfasst von: Bri | 24. Februar 2014

Zweifellos ein Knüller

Scoop – so nennt man in Journalistenkreisen einen Knüller, die Sensationsgeschichte für Seite Eins. Und nur darum geht es im schnell sich drehenden Karussell der Zeitungsblätter: Jedes Blatt will das Erste sein, das solch eine Meldung bringt.

1938 verdichten sich in Europa die Gerüchte um eine Krise im fiktiven Ishmaelia, das dem tatsächlichen Abessinien, in dem Evelyn Waugh selbst als Kriegsberichterstatter weilte, nachempfunden ist. Sonderberichterstatter aus aller Welt sind auf dem Weg nach Jacksonburg, um die dortige Situation und schnelle Änderungen der Lage unverzüglich nach hause zu kabeln. Auch ein gewisse Boot vom Daily Beast befindet sich unter den anwesenden Journalisten, die auf ihre große Stunde warten. Nur dass er tatsächlich nicht der Boot ist, der aus persönlichen Gründen nur allzu gewillt war, das Land für einen solchen Sondereinsatz zu verlassen.                                                                                                            Scoop

William Boot, den es nach Jacksonburg verschlägt, war durchaus zufrieden mit seiner Kolummne Üppige Auen, für die er wunderbare Beschreibungen seiner Umgebung wie

“ … leichtfüßig durchs glucksende Moor schweift die pirschende Wühlmaus …“ 

findet.

Seine Liebe zu Boot Magna, dem Familiensitz, und dessen Umgebung spricht aus jedem seiner Sätze. Ishmaelia ist ihm ehrlicherweise absolut gleichgültig und dennoch kann er sich des Auftrages dorthin zu reisen und der britischen Nation die neuesten Neuigkeiten von dort zu verschaffen, nicht erwehren.

John Boot hingegen, der junge vielgelesene Autor mittlerweile mehrerer Romane, ist nur allzu dankbar für den sogenannten  Stitch-Service, der es ihm ermöglichen sollte, sich aus einer unangenehmen Situation, die natürlich mit einer Frau zu tun hat, herauszuwinden.

Äußerst skurrile und sehr britisch anmutende Charaktere sind es, die Evelyn Waugh für seine überaus amüsante Journalisten-Komödie mit leichter Feder und doch in kräftigen Farben zeichnet. Ishmaelia, der von ihm zwar realen Staaten nachempfundene, doch fiktive Staat, wurde von außen – wie heute noch durchaus üblich – mit einer Regierung besetzt, die den Weltmächten genehm und deren Interessen entgegenkommend eingestellt ist. Waugh zeigt Mechanismen auf, derer sich auch heutige Staatsoberhäupter gerne bedienen: Einsetzung eines Präsidenten nach Gusto, aber natürlich unter dem Mäntelchen der Verschwiegenheit und nach außen demokratisch gewählt. Vergabe weiterer Posten durch den Präsidenten nach eigenem Ermessen mit dem Ziel, sich –  zur Zufriedenheit aller – ein familiäres Netzwerk und damit eine schier unbrechbare Machtstruktur aufzubauen. Das wiederum verselbständigt sich dann nicht im Interesse der weltweit involvierten Staaten. Kommt uns doch irgendwie bekannt vor oder? Offensichtlich waren diese politischen Vorgehensweisen schon 1938 gang und gäbe und Evelyn Waugh weitsichtig genug, die Wahrheit in seiner Satire zu verpacken.

Aber auch die heute noch gängigen Methoden der Journaille zeigt Waugh subtil und doch gewohnt deutlich. Schlagzeilen ergeben sich nicht, sie werden gemacht. Geschichten werden nicht aufgespürt, sie werden geschrieben.

Sprachlich rasant, ironisch bis satirisch, gewürzt mit wunderbar schrägen Szenen, liebevoll gezeichneten Figuren ist Scoop ein wahrer Knüller, eine überaus erheiternde und kurzweilige Lektüre, trotz des doch kritischen gesellschaftlich-politischen Hintergrunds.

Wer sich mit William Boot auf nach machen Ishmaelia will, der findet weitere Reiseinformationen natürlich auf der Verlagsseite und die Lektüre wie immer beim Buchhändler des Vertrauens.

Verfasst von: Bri | 19. Februar 2014

Es hätte sein können …

Drei Menschen des 20. Jahrhunderts, drei außergewöhnliche Leben, gepackt in einen Roman. Lebensbilder verwoben mit Fiktion, nein eher zusammengesetzt wie Scherben, die auf einem antiken Grabungsfeld gefunden wurden und nun zu ein mögliches Ganzes zeigen.
Warum man das tut? Weil es geht.

Der einzig mögliche Treffpunkt der drei Menschen, um die es in Alex Capus Roman Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer geht, könnten sich nur an einem Tag im November des Jahres 1924 zur gleichen Zeit am selben Ort aufgehalten haben. Drei Leben, die aneinander vorbeiziehen und doch irgendwie etwas gemeinsam haben könnten.

Der Fälscher Emile Guilléron ist auf dem Züricher Hauptbahnhof, weil er den letzten Wunsch seines Vaters zu erfüllen hat.                                                          Capus

Die Spionin Laura d’Oriano ist gerade mal ein Backfisch und mit ihren Eltern auf der Durchreise.

Der Bombenbauer Felix Bloch, Physiker und späterer Nobelpreisträger ist ebenfalls unterwegs – den Quanten auf der Spur.

Zürich Hauptbahnhof – dort lässt Alex Capus seine Protagonisten in den Zug des Lebens steigen. Als Mitreisende bekomme ich die verschiedenen Stationen von Felix Bloch, Emile Guilléron und Laura d’Oriano ohne inhaltliche Verbindung zueinander und dennoch strukturell gleichzeitig vor Augen geführt.

Habe ich mich einmal in das Leben des Einen oder der Anderen vertieft, bremst der zwangsweise erfolgende Umstieg in den nächsten Lebenszug innerhalb eines Kapitels meine Reisegeschwindigkeit abrupt ab. Ich würde doch gerne den Ort, den ich gerade interessant und spannend finde noch etwas tiefer erforschen – aber dafür muss ich einen Umweg machen, der mir nicht in die Reiseroute passt.

Interessant sind die einzelnen Stationen an denen Felix Bloch, Laura d’Oriano und Emile Guilléron verweilen – doch der Gesamtstreckenverlauf bleibt mir verborgen. Vielleicht ist das auch nicht wichtig – denn schon Goethe nannte ja bekanntlich den Weg das Ziel. Doch die Frage „wohin will er, der Autor“ blieb bis zum Schluss offen.

Erlesen habe ich mir den recht fundiert nachgezeichneten Lebensweg Felix Blochs, der mir trotz seiner Mitarbeit am Bau der A-Bombe der sympathischste Mitreisende war.

Laura d’Oriano, die als junge aufgeschlossene Frau in den 1920er bis 1930er Jahren so manchen Tabubruch nicht als solchen erkannte, zeigte sich mir trotz weniger Details überraschend lebendig.

Tatsächlich fast übersehen könnte man den Fälscher Emile Guilléron, der im Schatten der Geschichte seines Vaters verweilen muss, die mehr Raum einnimmt als die Seine. Das mag daran liegen, dass Vater und Sohn durch die absolute Namensgleichheit schnell mal verwechselt werden können oder daran, dass sie auch noch dasselbe Talent zum Beruf machten: Scherben untergegangener Kulturen zusammenzutragen und über ein wissenschaftliches Maß hinaus Kunstwerke durchImagination zu schaffen, die es zwar in dieser Form nie gab, die aber dennoch große gesellschaftliche Anerkennung fanden.

Und so scheint auch Alex Capus Scherben aufgesammelt zu haben, die er unbedingt zu einem schönen Ganzen zusammensetzen wollte. Schade nur, dass die Bruchstücke an manchen Stellen absolut nicht zueinander passen – zumindest für mich nicht.

Die Reise war eine interessante, wiederholen werde ich sie wohl nicht. Dazu gibt es noch zu viele neue Reisen für mich.

Wer sich auf die Reise begeben möchte  – und dazu rate ich immer an – der erhält auf der Verlagsseite alle Informationen, die er für den Start benötigt.

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