Verfasst von: Bri | 6. Februar 2012

Ein wahrer Gentleman

William Strether  kann Geschichten erzählen vom ersten Weltkrieg und den Erscheinungen von Mons – denn er war dabei. Zumindest erscheinen seine Geschichten dazu so glaubhaft, dass er als Kriegsheld hochdekoriert und mit wahrhaft männlicher Haltung und Ausstrahlung versehen, für den französischen Journalisten Max Goffard das ideale Sujet für einen Artikel abgibt. Ob es nun Engel waren oder die Bogenschützen von Azincourt, die den englischen Truppen in Mons einen geregelten Abzug gegen die an Zahl übermächtigen Deutschen ermöglichten – das bleibt Spekulation. Wie so manches andere um die Person des Gentleman Strether – ausser, dass er ein Geheimnis hat, dem Goffard nicht wirklich selbst auf die Spur kommt.  Denn Strether weiß, WIE man als MANN zu LEBEN hat.

Dem wirklich guten Plot der Geschichte sind die vergebenen drei Sterne zuzurechnen – da hätte mehr daraus werden müssen. Hédi Kaddour verpasst es leider, allen eingeführten Hauptfiguren auch echte Plätze zuzuweisen. Und das lässt die Geschichte unausgereift und die Personen schlecht entwickelt erscheinen. Leider, denn das Geheimnis, das Strether mit sich trägt, lässt sich teilweise erahnen, die Auflösung desselben lässt dem Leser ein “hab ich es doch geahnt” entfahren – und somit Sympathie für den Autor und seinen Roman empfinden. Aber die Sprache bleibt eher kühl, die Personen, an die man sich langsam (man könnte auch sagen langatmig) gewöhnt hat und deren Aufgabe in dem Spiel nicht klar ist, verschwinden noch dazu und tauchen nur ganz kurz zum Schluss wieder auf. Das wäre dann auch nicht mehr nötig gewesen. Einzig die Auflösung des Geheimnisses ließ mich am Ball bleiben und das ist mir zu wenig.

Hintergründe zum ersten Weltkrieg und die Zeit um 1930 in England und das tatsächliche Geheimnis, das ein großes gesellschaftliches Problem beschreibt, kann man als Leseempfehlung angeben. Möchte man sich aber über diese Themen eingehender informieren gibt es dazu sicherlich auch spannend zu lesende Fachliteratur.

          Weitere Infos zum Buch gibt es hier

Verfasst von: Bri | 18. Januar 2012

Eiskaltes Drama am Everest

Ab 8000 Metern Höhe ist jeder für sich selbst verantwortlich und kaum mehr zurechnungsfähig – eine eiskalte Gemeinschaftsrezension von Bücherelfe und Bri

Bergsteigen alleine ist schon nicht ganz ohne, doch Extrem-Bergsteigen und das auch noch am Mount Everest ist mehr als gefährlich. Wer sich in dieses Abenteuer stürzt, darf alles sein, nur kein Abenteurer.

Der Autor, Jon Krakauer, erhält von der Zeitschrift „Outside“ den Auftrag, einen Artikel zur Kommerzialisierung des Mount Everest zu schreiben. Aber Krakauer ist nicht nur Journalist sondern er war in der Vergangenheit auch ein leidenschaftlicher Bergsteiger. Und wenn er sich eines Themas annimmt, dann richtig. Also schliesst er sich nach längerer Vorbereitung einer Expedition an – einer Expedition, die in einem eiskalten Drama endet. Acht Menschen verlieren ihr Leben. Unter ihnen Scott Fischer  und Rob Hall ,  beides ganz grosse Fische im kleinen Teich der Extrem-Bergsteiger-Community.

Geführte Touren auf den Mount Everest mit all ihren Begleiterscheinungen – zu viele Menschen gleichzeitig auf dem Weg nach oben, Banalisierung des Berges und der Gefahr,  Vermüllung – stoßen nicht bei allen Profi- und Extrembergsteigern auf Gegenliebe. Auch das Volk der Sherpa befindet sich hier im Zwiespalt, ist das Lastentragen für sie doch eine einträgliche Sache, doch andererseits ist der Mount Everest ein heiliger Berg, dessen Name auf tibetisch Mutter des Universums  bedeutet,  und die Sherpa sind auserkoren  die Mutter des Universum zu schützen. Ein Dilemma, das dem Aberglauben Vorschub leistet.

So sind auch die Ereignisse um den 10. Mai 1996 aus der Sicht der Sherpas behaftet von diesem Aberglauben. Atemlos hört man Christian Brückner zu, der die minutiös von Krakauer recherchierten und geschilderten Vorkommnisse und vor allem Versäumnisse des Tages, die in ihrer Summe unweigerlich in einem Drama enden müssen, grandios vor dem inneren Auge des Zuhörers erstehen lässt. Kann man den  fatalen Wetterumschwung, den niemand hat voraussehen können, mit unangemessenem Verhalten am Berg erklären? Sicherlich nicht. Eines ist aber klar: 33 Bergsteiger hatten sich an diesem Tag gegen Mitternacht auf den Kräfte zehrenden Weg zum Gipfel begeben. Nicht alle werden ihn zeitig genug erreichen, um den Abstieg heil zu überstehen.

Hörbücher zu rezensieren, ist keine einfache Sache.  Während wir beim gedruckten Buch mit Post-Its bewaffnet gleich die entscheidenden Seiten markieren und am Ende diese nochmals ruckzuck hervorholen können, bleibt beim Hörbuch nurmehr die Erinnerung an das was da in unsere Gehörgänge gerauscht ist.  Christian The Voice Brückner schafft es extrem gut, die schier unglaublichen Geschehnisse um den 10. Mai 1996 am Mount Everest zu lesen und in unserem Gedächtnis zu verankern. Er spricht so eindringlich und gefühlvoll, dass einem schon beim Zuhören die Kälte entgegenschlägt und die Erschöpfung der Expeditionsteilnehmer am eigenen Leib spürbar wird. Und auch wenn man schon zu Beginn des Hörbuchs weiss, dass am Ende ein Drama steht, hofft und bangt man mit allen Beteiligten mit. Und ganz nebenbei lernen wir einiges zum Thema Extrem-Bergsteigen.

Fazit:  Ein Hörbuch, das alles hat, was man sich von einem Hörbuch wünschen kann.  Absolute Hörempfehlung für in Eisige Höhen!

Hörbuch „In eisige Höhen – das Drama am Mount Everest“ von Jon Krakauer, gelesen von Christian Brückner.. 10 Std. 48 Min (ungekürzt) 6 Std. 23 Min.  Im Download bei Audible erhältlich für 20,95 € oder im Flexi-Abo für 9.95 €.

Weitere Infos und eine Hörprobe findet ihr hier

Verfasst von: Bri | 12. Januar 2012

Demnächst in diesem Kino ….

Neues Jahr, neues Glück? Nein das Glück darf das alte bleiben gg – damit war und bin ich sehr zufrieden. Aber dennoch wird es 2012 zumindest eine Neuerung hier geben:

In regelmäßigen Abständen werde ich – dank des Audible-Rezensionsprogrammes – immer weider mal auch Hörbücher vorstellen.

Die erste dieser Vorstellungen wird ein gemeinschaftliche mit Bücherelfe sein:

 

 

 

 

Jon Krakauer In eisige Höhen gelesen von Christian Brückner. Seid gespannt, es wird extrem – extrem unglaublich, extrem spannend und extrem kalt … zieht euch warm an und passt auf euch auf *gg*

Bis bald in diesem Kopfkino!

Being Zola Jackson

Was bringt ein Individuum dazu so und nicht anders zu handeln ?

Autor Gilles Leroy begibt sich mitten ins Auge des Sturms. Draußen wütet Katrina und lässt New Orléans untergehen während im Inneren Zola Jacksons andere Stürme aufkommen. Sprachlich wunderbar schlicht, versetzt mit einem Hauch Poesie schlüpft man in Zolas Gedankenwelt. Sie ist hart im Nehmen, mitleidlos, direkt.
Zola, Witwe, verwaiste Mutter, gebildete Schwarze glaubt wie so viele Bewohner damals daran, dass die Dämme halten. Glaubt an die Regierung und muss miterleben, wie die Versprechen der Politiker sich buchstäblich im Wasser auflösen.
Fliehen kann sie nicht . No place to run, no place to hide. Wie das Gros der vorwiegend farbigen armen  New Orléanser, deren Heime unterhalb des Meeresspiegels liegen.

Aber nicht nur Menschen mussten vor Katrina fliehen. Was wird aus den geliebten Mitbewohnern? Den Hunden, den Katzen, den anderen Tieren in New Orléans? Zola glaubt nicht nur an die Regierung und deren Beteuerungen, die Dämme würden dieses Mal halten, sie hat auch Angst davor, was aus ihrem geliebten Hund Lady wird, wenn sie ihr Heim verlässt. Auch deshalb bleibt sie zurück. Gemeinsam mit Lady, und begibt sich mit ihr in die Fluten der Erinnerung. Erinnerung an die Zeit vor ihrem großen Verlust, an die Zeit, in der sie schon einmal einem großen Sturm getrotzt hat.

Damals gelang es ihr und auch den unzähligen späteren Stürmen stellte sie sich unverzagt entgegen.
Zerbrochen ist sie an der grausamen Unvermeidlichkeit des Schicksals .
Doch nicht ganz.  Liebe, Fürsorge und Hoffnungsfünkchen stecken noch in der knorrigen alten Schachtel die wir beim Lesen womöglich gerade wegen ihrer Ambivalenz und gleichzeitigen Unnachgiebigkeit lieb gewannen.

Gilles Leroy erreicht dies mit knapper, manchmal fast schon dürftig anmutender, treffsicherer, dennoch zwirbeliger Sprache in der Zolas Härte und  Seelenschmerz durchschimmern.
Gleichzeitig malt er Bilder von so poetischer Kraft, dass man sich kaum im Auge des Sturms wähnt.

Zolas Weigerung, New Orléans ohne Lady zu verlassen führt auf vielen Ebenen zu Klarheit und Versöhnung und bestätigt sie komplett in ihrem Tun.

Leroy hat bereits in Alabama Song (Bri hat es bereits gelesen und rezensiert) seine Fähigkeit bewiesen, aus einzelnen Versatzstücken ein grandioses Gefühls- und Stimmungsbild zu schaffen. Auch bei Zola Jackson ist ihm dies in einnehmender und direkt treffender Weise gelungen. So dünn das Büchlein, so fein die Sprache, so unglaublich nah kamen wir der Geschichte, lebten schon fast mit ihr. Ob er, wie dem Klappentext zu entnehmen ist, vor allem die weibliche Seele einzufangen befähigt ist, wollen wir so nicht bestätigen. Menschen sind es, die ihn interessieren. Und diese stellt er in all ihren Facetten äußerst glaubwürdig dar.

Fazit: bestes Kopfkino – wir sind gespannt auf das, was Leroy uns noch präsentieren wird.

 

 

 

 

 

Für mehr Info zum Buch gehts hier lang

 

Verfasst von: Bri | 2. Januar 2012

Demnächst in diesem Kino

wird es eine Gemeinschaftsrezension mit meiner LB Freundin Thursdaynext geben. Die erste Gemeinschaftsrezension hat sie mit unserer gemeinsamen Lesegefährtin Bücherelfe erstellt und scheinbar Gefallen daran gefunden.

Ich freue mich auf jeden Fall darauf, gemeinsam mit ihr dem Sturm zu trotzen, was wir auch nur konnten, weil das Elfchen das Buch auf Wanderreise geschickt hat. Danke für dies und das *gg*.

 

 

Verfasst von: Bri | 24. Dezember 2011

Euch allen

wunderbare Festtage, Zeit für eure Lieben und euch selbst, Zeit mal aus dem ganzen Alltagswahnsinn auszusteigen und innezuhalten.

Wir sehen uns!

Eure Bri

Verfasst von: Bri | 29. November 2011

Advent, Advent

Adventskalender gibt es zuhauf – mit Süßigkeiten oder kleinen nützlichen Dingen gefüllt … Hier wird es auch etwas wie einen Adventskalender geben, bei dem sich alles – wie könnte es anders sein – um Literatur, Sprache, Wörter, Sätze oder Szenen dreht.

Hier werden sich meine Lieblingszitate tummeln und einander begegnen.

Also, wir sehen uns spätestens am 01. Dezember beim Öffnen des Adventskalenders!

Klingende Nächte bis dahin …

Verfasst von: Bri | 20. November 2011

Ketzer und Büchergeheimnisse

Nach Wochen – eher gefühlten Monaten – sitze ich nun also auch hier in der Taverne und versuche meine Gedanken zu sortieren.

Mr. Rail ist bereits über den Marktplatz gewandert und hat sich in den Lesezelten verschiedener Erzähler umgesehen Sophia Underhill ist selbst zu Wort gekommen, verschiedenste Aspekte der Geschichte um Giordano Bruno wurden unterschiedlichst beleuchtet und zu guter Letzt wurde Bruno und seine Zeit uns ebenfalls näher vorgestellt. Nur leider nicht von der Erzählerin im Lesezelt, aber gut, manchem wäre das vielleicht zu langatmig geworden. Ich allerdings hätte gerne erfahren, wie man es schafft, der Inquisition zu entkommen und nach nur sieben Jahren Königsberater zu sein. Eine steile Karriere würde ich meinen, die einiges voraussetzt. Nun ja, vielleicht empfand Bruno das als zu indiskret und hat deshalb lieber die Geschichte der Suche nach einem für ihn extrem wichtigen und angeblich nicht existenten Buch erzählen lassen. Allerdings kamen ihm während der Suche in Oxford noch ein paar sehr mysteriöse Morde in die Quere und das Buch … wer weiß schon, was damit wirklich passiert ist und ob er es je finden wird. Ich werde es wohl nie erfahren, obwohl ich mich schon lange und ausgiebig mit Büchern und ihrem Schicksal beschäftigt habe.

Versteckt und gehütet, verbrannt und verleugnet wurden Bücher, deren Inhalt als gefährlich erklärt wurde, sehr häufig. Als gefährlich erklärt von etablierten Machthabern, der Kirche oder wem auch immer es nicht passte, dass das Individuum unabhängiger werden könnte von den vorhandenen Strukturen. Ausgenommen ist davon – wie auch in Brunos Geschichte – weder die sich als wahre bezeichnende römisch-katholische Kirche, noch die anglikanische, die ja bekanntermaßen von Heinrich VIII gegründet und zur Staatskirche ernannt wurde, da ihm der Papst die Scheidung von seiner ersten katholischen Frau Katharina von Aragón verweigert hatte. Beide Kirchen bezeichneten als Ketzerei, was ihren Vorstellungen zuwider und ihrem Einfluss gefährlich war. Gehemmt wurde dadurch vor allem die Wissenschaft, die sich aufmachte zu neuen Ufern.

Was mir trotz der manchmal recht  ausschweifenden Erzählweise nicht klar ist: weshalb wird das Buch, nach dem Bruno sucht auch von den Engländern als nicht existent und gefährlich gehandelt? Walsingham – der Berater Elisabeth I – ist vor allem an Informationen über sogenannte Papisten interessiert – Menschen, die dem alten katholischen Glauben im Geheimen noch anhängen und ihn praktizieren. Seine Angst: eine Invasion aus dem katholischen Frankreich, um Elisabeth zu ermorden und an ihrer Stelle die katholische Hoffnung Maria Stuart als Königin von England einzusetzen. Er schafft sich an Netzwerk an Informanten – man könnte sagen, er schuf den Geheimdienst in England – die er zum größten Teil aus eigener Tasche zahlte und ließ Menschen jeder Schicht, die die katholischen Riten im geheimen praktizierten unbarmherzig verfolgen und hinrichten. Der Grund dafür mag sein, dass er genaueste Schilderungen über die brutale Verfolgung der Hugenotten in Frankreich und die Geschehnisse in der Bartholomäusnacht durch seinen Schwiegersohn Philip Sidney erhalten hatte. Sidney hatte sich tatsächlich lange auf dem Kontinent aufgehalten und in der Bartholomäusnacht mit anderen englischen Protestanten in der englischen Botschaft Zuflucht gefunden. Hätte mir die Erzählerin auch von diesen Hintergründen etwas mitgegeben, hätte ich so einiges mehr verstanden.

Aber die Frage nach dem Buch bleibt mir doch. Denn eigentlich ist Elisabeth I bekannt als Förderin von Kunst, Literatur und Wissenschaft. Interessiert an neuen Entdeckungen. Warum muss Bruno im Geheimen nach diesem Buch suchen? Weil ihn die Inquisition immer noch sucht? Das tut sie bereits aus anderen Gründen. Weil das Buch auch von anderen gesucht wird und er deshalb lieber nicht offenbart, dass er auch danach sucht?

Meine Vermutung, dass diese Frage erst im Folgeband von Ketzer ansatzweise gelöst werden könnte, werde ich wohl nicht im Lesezelt von Stephanie Parris überprüfen, dafür war mir dieser erste Teil der Suche zu abwegig mörderisch. Aber in die Taverne komme ich gerne wieder und nicht nur wegen des schon von Sophia gerühmten Bieres.

Verfasst von: Bri | 13. November 2011

Diamonds are a states best friends …

Sie werden mit klingende Namen wie Blue Hope, Grüner Dresdner oder Excelsior Diamant bedacht, sind nicht nur a girls best friend und haben meist eine blutige Geschichte. Durch die Jahrhunderte hindurch sind sie begehrt und manche stürzen ihre Besitzer aufgrund eines auf ihnen lastenden Fluches ins Unglück. Ihre Anziehungskraft mindert das aber in keinem Fall – tatsächlich macht sie dies noch begehrenswerter.

Die als Rohmaterial eher unscheinbar wirkenden Schätze der Natur sollen in Ewald Arenz’ wunderbarem Halbkrimi Das Diamantenmädchen dem deutschen Reich sogar aus der Schuldenmisere helfen, die das Land nach dem Ersten Weltkrieg auch aufgrund der immens hohen Reparationszahlungen in große Schwierigkeiten gestürzt hat.

Carl von Schubert, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, weiß, dass meisterhaft geschliffene Diamanten sehr viel mehr Geld erlösen, als Rohdiamanten und nutzt seine Bekanntschaft zu Lilli Kornfeld, einer jungen Journalistin der Berliner Illustrirten um Kontakt zu einem der besten Diamantenschleifer aufzunehmen: Paul van der Laan. Van der Laan ist Lillis Freund aus Kindertagen, Nachbar und erste große Liebe. Zusammen mit Lillis älterem Brüder Wilhelm waren die drei ein untrennbares Kleeblatt – so lange bis der Erste Weltkrieg und seine furchtbaren Auswirkungen das Kleeblatt auseinander reißt …

Wo Diamanten im Spiel sind, fließt meist auch Blut – auch im Berlin der anfänglichen 1920er Jahre ist das der Lauf der Dinge. Ein Schwarzer wird ermordet aufgefunden. Auf dem Balkon des Theaters am Nollendorfplatz finden die zuständigen Kommissare Schambacher und Togotzes an der Leiche einen kleinen grünen Splitter eines Diamanten, der sie verschiedene Spuren verfolgen lässt …

Ewald Arenz’ Das Diamantenmädchen vereint wieder einmal die großen Stärken des Autors: eine wunderbar poetische Sprache, Einfallsreichtum, absolut gewissenhafte Recherche, Einzigartigkeit, ein unfehlbares Gespür für Dialoge und die wunderbare Ausarbeitung der dadurch entstehenden Atmosphäre.

Als Krimi angelegt zeigt der Roman allerdings weit mehr. Er entführt den Leser in ein genau geschildertes Berlin vor und nach dem ersten Weltkrieg und zeigt damit die Veränderungen der Stadt und vor allem der Menschen, die dort leben. Auswirkungen, die niemand, allen voran die vielen jungen Männer, die sich zuhauf freiwillig gemeldet hatten, um ins Feld zu ziehen, auch nur ansatzweise erahnen konnte. Der Mord an einem Schwarzen, einem früheren Askari, bildet nur den Hintergrund für diese sehr einfühlsam geschilderte Geschichte – für hart gesottene Krimifans mag das nichts sein, für Leser, die gerne etwas mehr Inhalt als nur Mord und Totschlag geboten bekommen, allerdings genau das Richtige.

Das Diamantenmädchen funkelt und strahlt noch lange nachdem die letzte Seite des in einem äußerst eleganten Crèmeton eingeschlagenen und mit einem passenden Cover versehenen Regaljuwels zugeklappt wurde. Nun blitzt es in einer Reihe mit den anderen Regaljuwelen des Autors um die Wette.

Weiterführende Informationen zu Buch  und Autor                                                                      

 

 

 

 

©BvF

Verfasst von: Bri | 21. Oktober 2011

Wer den Namen des Windes kennt, besitzt große Macht

Ein Mann, der vorgibt, ein einfacher Wirt zu sein und der viele Namen hat.  Als  Wirt heißt er Kote, sein eigentlicher Name ist Kvothe, sein Schüler nennt ihn Re’shi. Er wird der Blutlose genannt, ein Königsmörder, der größte Zauberer  seiner Zeit soll er sein und sitzt unerkannt in einem einfachen Dorfwirtshaus. Die Geschichten über ihn sind – ebenso wie seine vielen Namen – Legende.
Als sich die Zeichen häufen, dass die Strassen immer  unsicherer werden und merkwürdige Wesen erscheinen, legt er sich im Wald auf die Lauer. Sein Interesse gilt seit langem den Sieben, den Chandrian. Dämonen sollen sie sein oder etwas anderes. Sie tauchen plötzlich auf, töten alle, die ihren Weg kreuzen und hinterlassen rostendes Eisen und blaue Flammen. Was wirklich hinter den Geschichten und den Liedern über die Chandrian steckt will Kvothe seit langer Zeit aus persönlichen Gründen aufdecken. Als er auf der Lauer liegend des Nachts im Wald an einem Lagerfeuer sitzt, stösst der Chronist zu ihm und verdankt ihm seine Rettung, sein Leben.
Der Chronist, ein weitgereister Mann mit großem Wissen, erkennt Kvothe und bringt ihn dazu, ihm seine wahre Geschichte zu erzählen. Unter bestimmten Voraussetzungen: Kvothe benötigt drei Tage, um seine Geschichte zu erzählen – nicht weniger, nicht mehr -  und der Chronist wird nicht die geringste Kleinigkeit an der Geschichte verändern.

… „Mein Name ist Kvothe. Namen sind wichtig, denn sie verraten einem viel über einen Menschen. Ich habe schon mehr Namen getragen als irgendjemand rechtmäßig tragen dürfte.
Die Adem nennen mich Maedre. Das bedeutet, je nachdem, wie man es ausspricht, >die Flamme<, >der Donner< oder >der zerborstene Baum<.
>Die Flamme< ist leicht nachzuvollziehen, wenn man mich je gesehen hat. Ich habe leuchtend rotes Haar. Wäre ich ein paar Jahrhunderte früher geboren, hätte man mich wahrscheinlich als Dämon verbrannt. Ich trage mein Haar kurz, aber es ist widerspenstig. Sich selbst überlassen, steht es zu Berge, und dann sehe ich aus, als stünde ich in Flammen.
Den >Donner< führe ich auf meinen kräftigen Bariton zurück und auf viel Bühnenerfahrung in jungen Jahren schon.
Den >zerborstenen Baum< fand ich nie sonderlich treffend. Im Nachhinein könnte man darin jedoch ein Vorzeichen sehen.
Mein erster Lehrer nannte mich E’lir, weil ich klug war und das auch wußte. Meine erste große Liebe nannte mich Dulator, weil ihr der Klang gefiel. Man hat mich auch Shadicar genannt, Flinkfinger und der Sechssaitige. Man nannte mich Kvothe den Blutlosen, Kvothe den Arkanen und Kvothe den Königsmörder. Ich habe mir die Namen verdient. Ich habe sie mir erkauft, und ich habe dafür bezahlt.
In meiner Kindheit jedoch hieß ich schlicht nur Kvothe. Mein Vater sagte mir einmal, das bedeute >zu wissen<. Man hat mich natürlich noch mit vielen weiteren Bezeichnungen belegt. Die meisten davon unflätig, nur die wenigsten unverdient.
Ich habe geraubte Prinzessinnen aus den Händen schlafender Unholde befreit. Ich habe die Stadt Trebon niedergebrannt. Ich habe eine Nacht mit Felurian verbracht, und es hat mich weder das Leben noch den  Verstand gekostet. Ich wurde von der Universität verwiesen, in jüngerem Alter als die meisten Leute dort zugelassen werden. Ich wandele im Mondschein auf Pfaden, von denen andere auch bei Tag nicht zu reden wagen. Ich habe mit Göttern gesprochen, habe Frauen geliebt, habe Lieder geschrieben, bei denen selbst die Sänger in Tränen ausbrechen.
Ihr habt womöglich schon von mir gehört.“ …

So beginnt Kvothe seine Geschichte. Und für mich war das ein unglaublicher Einstieg. Unglaublich wegen der Kraft seiner Worte. Auf so etwas habe ich seit langem gewartet und unverhofft hielt ich es in Händen.

Der Name des Windes ist der erste Band der Königsmörder Chroniken und beinhaltet den ersten Tag der Aufzeichnung. Patrick Rothfuss führt uns in eine neue Welt, eine Welt des fahrenden Volkes, der Dämonen, der Weisen – wie einst J.R.R Tolkien in die Welt der Hobbits, Ringgeister und Elben. Und doch anders. Die Vergleiche mit Tolkien, die überall bereits angestrengt werden, sind meiner Meinung nach schwer zu bewerten. Erwartet man eine Geschichte, wie den „Kleinen Hobbit“ oder „Den Herrn der Ringe“, ist man sicher etwas enttäuscht. Lässt man sich aber auf eine neue phantastische Welt ein, dann wird man mit einem Regaljuwel belohnt.
Die Sprache, die Rothfuss spricht, ist geschliffen und trifft mit jedem Wort.  Hier ist der Vergleich mit Tolkien vielleicht am ehesten angebracht.. Rothfuss ist ein wahrer Geschichtenerzähler und so fühlte ich mich an den Tisch im „Wegstein“ versetzt, lauschend, erahnend, von welch großartigen Geschehnissen ich erfahren würde.
Ich habe Kvothe auf seinen Abenteuern begleitet, habe mit ihm gelitten, ihn bewundert und bin gespannt, wie er seinen Weg fortsetzen wird.

Das einzige was mir an diesem Buch nicht gefällt, ist die Tatsache, dass ich nun erst wieder lange auf den nächsten Band warten muss. Ich wünsche Patrick Rothfuss eine flotte Feder und uns Lesern damit eine baldige Fortsetzung einer wunderbaren Geschichte.

©BvF

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